Februar – März – 07.-13. April 2026
Großenbrode – Grömitz
Die Reiseplanungen schreiten voran, wobei Plan und Wirklichkeit beim Segeln ja nicht immer genau übereinander passen. Uns reizt immer wieder aufs Neue die schwedische Ostküste mit ihren unzähligen Schären, doch auch die Ålands und die Turku-Schären bzw. die Inselwelt vor Helsinki hören wir nach uns rufen. Diesen Teil der finnischen Küste haben wir 2022 während unserer langen Reise in den Norden etwas rechts liegen lassen, doch sie sind es unbedingt wert, bereist zu werden. Oder nochmal Höga Kusten? Wir werden sehen…
Um uns mental schon mal auf’s Einwassern vorzubereiten, unternehmen wir im Februar und an zwei Wochenenden im März jeweils einen Kurztrip nach Grömitz bzw. Großenbrode.
Wir nutzen die Zeit nicht nur, um nach unserem Schiff und der Erledigung der anstehenden Winterarbeiten zu schauen, sondern auch, um uns mit Segelfreunden zu treffen.
Wie schön, endlich wieder Ostseeluft zu schnuppern. Das Eis, welches die Häfen der Ostsee Mitte Februar noch ungewohnt fest im Griff hatte, ist Mitte März aufgetaut, sodass unserem Krantermin am 08. April wohl nichts im Wege steht. Das sah im Februar noch ganz anders aus (nachfolgende Fotos).









Jetzt im März schreiten die Werftarbeiten gut voran. Wir hatten einiges auf dem Zettel. Zur Erinnerung: es gab Scheuerstellen am Unterwasserschiff, deren Herkunft wir uns nicht erklären konnten. Nichtsdestotrotz müssen sie beseitigt und der gerade erst im letzten Winter komplett neu aufgebaute Unterwasseranstrich ausgebessert werden. Blöd… aber hilft nicht. Und auch unser Warmwasserboiler bedarf einer Inspektion: er scheint etwas verkalkt, was bei der regelmäßigen Nutzung auch nicht weiter verwunderlich ist. Also wird er ausgebaut – was ziemlich fummelig ist – mit Zitronensäure entkalkt und wieder eingebaut. Immerhin werden so auch alle Anschlüsse auf Kalkablagerungen kontrolliert. Die Frage, die wir uns später stellen: sind auch alle Verbindungen wieder dicht? Wir können berichten: sie sind.
Alles geht gut voran, die Werft arbeitet gewohnt ordentlich und wir können bei unserem letzten Besuch schon mal die auf den Polstern ausgebreiteten Schutzlaken und die über den Winter aufgestellten Entfeuchter einpacken und mit nach Hause nehmen.



Zu Hause stapeln sich inzwischen Taschen mit Segelkleidung, welche wieder an Bord muss. Und auch Kisten mit Schiffszubehör füllen sich so langsam, denn Fernglas, Logbuch, Drohne, Strickzeug etc. und einige neue Kleinigkeiten sind über den Winter nicht an Bord geblieben… aber jetzt muss alles wieder hin. Natürlich müssen auch diverse Seekarten und Hafenhandbücher für unser angedachtes Ziel wieder an Bord. Man gut, dass wir ein großes Auto haben.
Und dann ist es so weit: am Dienstag, den 07. April haben wir uns für eine Nacht in einem netten Hotel in Großenbrode eingebucht, damit wir zum Einwassen bloß pünktlich da sind.


nur ein kurzer Weg zum Hafen


Die Werftmitarbeiter sind natürlich immer froh, wenn die Schiffs-Eigner nicht mit blöden Sprüchen und guten Ideen ihre Arbeitsabläufe stören, doch wir stehen halt gerne in der Nähe dumm rum und schauen ihnen bei der Arbeit zu… und geben – als kleine Entschuldigung – Nervennahrung für die Werft-Mannschaft ab: zwei große Dosen Haribo-Konfekt. Das kommt, wie immer, sehr gut an.



Wir genießen das herrliche Wetter und vertreiben uns die Zeit, bis wir endlich an Bord „dürfen“, bei einem kühlen Getränk am Strand. Und hier – nach einem langen, grauen Winter – können wir wieder die klare Ostseeluft atmen. Sie kommt ganz langsam daher, nur wenig salzig, und streicht sanft über unsere Gesichter wie ein Versprechen. Die Sonne steht noch etwas zaghaft am Himmel, aber sie wärmt schon genug, um uns daran zu erinnern, wie sich Sommer anfühlt. Ihr Licht glitzert auf dem Wasser… herrlich! Wir atmen tief durch, lauschen den Möwen, die ihre Kreise ziehen und sehen in der Ferne am Horizont schon ein Segelschiff auf seiner ersten Reise. Bald werden auch wir dort entlang gleiten auf dem Weg zu fernen Zielen… oder auch nicht so fernen Zielen.


Das Einwassern klappt gut und auch der Mast ist fix gestellt. Erstaunlicherweise muss in diesem Jahr kein Mitarbeiter – gut gesichert – mit einem Kran zur Mastspitze gezogen werden, um erst hier – am stehenden Mast – Antenne, Verklicker und Co. zu montieren. Das ging in der Vergangenheit nie. Jetzt allerdings gibt es einen separaten Kran nur für die Mastmontage. Und auf einmal können die Anbauteile schon am noch an Land liegenden Mast montiert werden. Tja… 🤷♀️ Was der neue Kran jetzt für einen Unterschied macht, erschließt sich uns nicht wirklich. 😵💫







Die Mannschaft fährt unser Schiff an seinen Liegeplatz für die nächsten Tage (unser Wunschplatz ist glücklicherweise frei), Motor und Strahlruder arbeiten einwandfrei. Flott sind wir an Bord und genießen schon mit dem ersten Schritt das sanfte Schaukeln. Leider stellt sich heraus, dass die Duscharmatur im Bad defekt ist. Sie muss erneuert werden. Sieht irgendwie nach Frostschaden aus… 🤔 irgendetwas ist halt immer. Allerdings kümmert sich normalerweise die Werft um das Einwintern – steht jedenfalls auf dem Auftragszettel. Das restliche Wasser, das beim Entleeren des Tanks nicht alleine herausläuft, wird mit Druckluft aus den Leitungen geblasen, damit eben nichts kaputt frieren kann. War wohl doch. och irgendwo etwas Wasser drin… und der Winter kalt. Die Werft kümmert sich schnellstmöglich um die Reparatur. Wir sind gespannt, ob diese später auf der Rechnung steht. Sollte „eigentlich“ nicht sein.




Wir können uns derweil unseren üblichen Arbeiten widmen: alle Leinen vom Mast wieder bis zum Cockpit führen, die Elektrik anschließen, aufräumen, putzen, einräumen… und anschließend ein leckeres Getränk im Cockpit genießen.



Die erste Nacht an Bord ist mächtig kalt – draußen sind‘s nur 3°C – und unsere Heizung hat gut zu tun. Am Morgen weckt uns die Sonne aber mit wärmenden Strahlen. Wie schön. Leider gibt es erst verspätet einen Kaffee: beim Einschalten der Kaffeemaschine hat diese leider – nach immerhin 14 Jahren! – ihren Dienst quittiert und mit einem Kurzschluss den gesamten Steg stromlos gelegt. Also Kaffee ganz herkömmlich auf dem Gasherd kochen/aufbrühen. Machen wir beim Ankern ja auch. Zu Hause haben wir noch Ersatz für die Maschine, müssen wir halt beim nächsten Besuch nur mitbringen.


Am Vormittag bringt dann der Segelmacher unsere Segel – sie wurden über den Winter von ihm durchgesehen, repariert und eingelagert. Und schon sieht unser Schiff wieder komplett aus. Anschließend folgt eine Auffrischung ins Leinenmanagement: am Nachmittag nimmt der Wind nämlich reichlich zu und wir bringen lieber zusätzliche Leinen aus. Unsere Ruckfender wollen wir bei 30kn Wind (gut 7 Bft.) nicht alleine arbeiten lassen und so bekommen sie Verstärkung – auch mit Ruckfendern. Es schläft sich gleich viel ruhiger, wenn das Schiff nicht so hart in die Festmacher einruckt.






Am nächsten Morgen (Freitag, 10.April 2026) zieht erst noch etwas Regen durch, doch dann ist der Spuk wieder vorbei. Die Sonne zeigt sich zwischen einzelnen Wolken und schenkt uns einen verheißungsvollen Vorgeschmack auf das, was sein kann. Am Abend besuchen uns Freunde und nehmen nach einem gemeinsamen Abendessen unser Auto mit nach Grömitz. Danke an Karin und Michael! So können wir – Petra und Kalli – am nächsten Tag gemeinsam unser Schiff in seinen Heimathafen bringen.
Nach einer kurzen, wieder eisigen Nacht klingelt für uns um 05.00h der Wecker… aufstehen ist angesagt🥱. Im Schiff bollert die Heizung und macht es kuschelig warm. Wir wollen zeitig los, denn später am Tag soll der Wind unangenehm zulegen, und das müssen wir am ersten Tag der Segelsaison unterwegs nicht haben. Zumal sich dann, bei schnellerem Wind, die Temperaturen noch kälter anfühlen… Chillfaktor und so. Zum Beispiel fühlt sich 0°C bei einer schwachen 3-Bft-Brise auf der Haut wie -8°C an. Also früh auf, warm anziehen und ablegen um 06.15h… aber Vorsicht: wir haben Glatteis an Deck 🥶

(das Licht in der Mitte)






Jetzt, zu dieser unchristlichen Zeit, haben wir noch so gut wie gar keinen Wind, folglich muss sich der Motor warmlaufen. Dafür zeigt sich die Sonne bald wieder strahlend vor blauem Himmel und wir haben wirklich schöne Stunden auf dem Wasser.
In Grömitz angekommen gönnen wir uns ein spätes Frühstück. Es sind noch längst nicht alle Schiffe wieder im Hafen, viele Liegeplätze sind noch frei. Die allermeisten Schiffe werden wohl erst im Mai eintrudeln. Wir sind halt gerne etwas früh.




Langsam wächst unsere To-Do-Liste mit Dingen, die wir vor dem Törnstart – etwa Mitte Mai soll es losgehen – noch mit an Bord bringen müssen. Und auch zu Hause ist noch das eine oder andere zu erledigen.
Bis dahin… 💁♀️💁♂️
Stay tuned and keep watching






