Auf gen Norden (Grömitz bis Ystad)

11. – 17. Mai 2026

Grömitz – Gedser – Klintholm – Ystad

Wir starten… mit einem Hafentag im Dauerregen. 

Der Himmel präsentiert sich in unzähligen Grautönen. Während der Regen unermüdlich auf das Boot niedergeht, bleiben wir morgens erstmal etwas länger in der Koje. Keine Termine. Kein Ablegen. Bei solch einem Wetter soll die Reise nicht beginnen. Regentropfen tanzen auf dem Deck und den Fenstern und sorgen dafür, dass der hartnäckige Blütenstaub der letzten Tage gründlich weggespült wird. Dank vorabendlicher Konsultation des Wetterberichts und rechtzeitiger Vorbereitung ist die Kuchenbude aufgebaut und so bleibt unser Cockpit ein weiterer trockener Rückzugsort, sodass wir dem Wetter mit einem Lächeln begegnen können.

Pitsch… pitsch… wieso steht etwas Wasser auf der Arbeitsplatte in der Küche? Etwa schon wieder Wasser an einer falschen Stelle? Es ist aber wirklich nur ganz wenig Wasser. Oder haben wir vergessen, nach dem Abwasch alles wieder richtig trocken zu wischen? Nachdem Kalli die Verschraubung der Fenster kontrolliert und zwei Schrauben auch einen Hauch nachziehen konnte, war das Problem gelöst. 

Immer noch Regen.

Spät am Nachmittag verziehen sich die Regenwolken. Freunde, die zurzeit in der Nähe Urlaub machen, kommen auf einen kurzen Besuch und auch trockenen Fusses an Bord und das anschließende gemeinsame Essen bei unserem Lieblings-Asiaten „Tamatsu“ im Dünenpark entschädigt uns für den isseligen Tag.

Die Nacht bringt wieder Regen. Er prasselt unaufhörlich auf das Deck und verwandelt die Welt draußen in ein graues, trostloses Nieselmeer. Grau in Grau, keine klare Kontur am Horizont, sondern ein Nebel aus feuchten Schleiern, der jede Urlaubsstimmung im Keim erstickt. Bei solch einem Wetter möchte man den Tag am liebsten einfach unter der warmen Decke in der Koje verbringen und darauf hoffen, dass es bald besser wird. 

Gesagt, getan. Nur kurz den Wind- und Wetterbericht checken – immerhin frühmorgens um 06.30h, denn der gute Wille zum Ablegen ist da – dann wieder in die Koje. Irgendwann wird sich die Wolkendecke schon öffnen, die grauen Wolken werden weiterziehen und etwas blauen Himmel durchscheinen lassen. Und dann kann die Reise richtig beginnen. Bis dahin heißt es: Abwarten und das Beste daraus machen!

Vielleicht unseren Freund Mathias in seiner Kur in St.Peter-Ording besuchen? Doch er hat sicherlich viele Termine. Nachgefragt und einfach mal losgefahren. Wir bekommen leider keine Rückmeldung von Mathias – er hat dort recht schlechten Empfang – daher unterbrechen wir unseren Trip schon in Neumünster: das McArthur Glen Designer-Outlet stoppt unsere Fahrt durch Schleswig-Holstein. Wir bummeln entspannt zwischen den Shops umher und freuen uns insgeheim über viele dunkle Wolken und stürmische Böen… nicht abzulegen, war die richtige Entscheidung. Jedenfalls für uns. Unser Freund Ulli hatte Hummeln im Hintern und ist von Fehmarn aus schon auf dem Weg gen Gedser. Oder vielleicht sogar noch weiter… wenn er erst so im flow ist, hält ihn nichts mehr🤗.

Zurück an Bord… immer noch stürmische Böen.

Am Donnerstag, 14. Mai, Himmelfahrt, passt alles: um 07.00 Uhr sind die Leinen los. Bei strahlender Sonne, allerdings nur 7°C, legen wir Kurs Dänemark an. Eigentlich sollte es zuerst nach Kühlungsborn gehen, doch wir haben Termine in Gedser👫⛵️👫… Familie treffen steht an! 🤗

Gleich am ersten Tag eine Reise mit einer längeren Etappe zu starten ist zwar nicht so unbedingt auf der Wunschliste ganz oben, aber es ist schönes Wetter. Das die letzten Tage ungemütliche Ostseewasser hat sich in eine ruhige Wasserfläche verwandelt und zeigt sich von seiner entspannten Seite. Der ideale Start.

Die gut 45sm bis nach Gedser vergehen wie im Flug. Leider müssen wir viel motoren, da der Wind einfach zu zaghaft weht. Nur unter Segeln kämen wir kaum voran, das würde unsere Geduld dann doch zu sehr strapazieren. So gleiten wir gemütlich, begleitet von einem leisen Motor-Brummen, dahin und freuen uns auf ein Treffen mit Cord und Maike – mein Großcousin mit Frau… oder Neffe 2.Grades? Die Beiden sind grad mit ihrem neuen Schiff auf dem Überführungstörn von Greifswald nach Kiel und planen einen Stopp in Gedser. Wie schön! Familientreffen in Dänemark. Im letzten Jahr hatten wir uns zufällig in Malmö/ Schweden getroffen.

Kurz vor der Einfahrt in den Hafen werden wir neugierig von einem Seehund beobachtet. Ach, wie nett. Erst schaut er uns einige Zeit zu, wie wir unsere Leinen zum Anlegen bereitlegen, dann locken ihn vermutlich eher vorbeischwimmende Fische. 

Der Hafen ist, wie erwartet, fast leer. Kaum festgebunden, hören wir nur: „Hallo, was macht ihr denn hier?“ und „Ach wie nett, die kenne ich.“ Eine Seglerin aus Grömitz ist mit Freund und Auto auf Kurztrip in Dänemark unterwegs. Und was macht man da? Immer mal wieder einen Hafen anschauen, den man mit dem Segelschiff schon mal angelaufen hat. Und plötzlich Bekannte treffen. Die Welt ist ein Dorf, man trifft immer mal jemanden, den man kennt. Wir klönen einige Zeit, bis die beiden dann doch weitermüssen. Termine in Kopenhagen.

Und dann läuft „Tallulah“ ein. Großes Hallo… wir freuen uns sehr und nehmen sogleich das neue Schiff in Augenschein. Endlich kann Cord unter Deck stehen, dass macht das Leben an Bord doch etwas entspannter. Schade, dass wir nur so wenig Zeit haben, aber die Beiden müssen morgen weiter nach Kiel… die Arbeit ruft. Unsere Wege werden sich also morgen wieder trennen, aber ein nächstes Treffen ist schon geplant! Wir freuen uns!

Guten Morgen Sonne… guten Morgen leichter Wind. Am Freitag, den 15. Mai, fällt die Entscheidung für Kurs Klintholm/ Insel Mön sehr leicht. Denn schon wieder können wir uns auf ein Treffen freuen: in unserem nächsten Zielhafen liegt bereits unser Freund Ulli mit seinem Schiff und erwartet uns zum Abendessen. Spaghetti mit selbst gemachtem Bärlauchpesto 😋 hmmm… wie lecker… nichts wie hin! 

Auch in Klintholm sind die allermeisten Liegeplätze noch frei – das ist das Schöne an dieser Jahreszeit. Es sind einfach noch nicht so viele Bootfahrer unterwegs und wir haben die freie Platzwahl. Ulli steht schon am Steg und nimmt unsere Leinen an. Was für ein Service. 

Im laufe des Tages kommen natürlich noch einige Schiffe in den Hafen, aber es bleibt angenehm leer. Allerdings müsste im Hafen doch mal etwas investiert werden. Ein langer Steg ist zwar offensichtlich neu gebaut – der alte war auch schon reichlich marode – doch die Einfahrtsmole ist immer noch so defekt, wie der Sturm im Oktober 2023 sie hinterlassen hat.

Die Waschhäuser sind zwar so sauber, dass man nicht gleich schreiend davonläuft, aber zum Duschen motivieren sie ungefähr so sehr wie ein kalter Ostseewind im November. Nunja… wenigsten kommt (etwas) warmes Wasser aus dem Duschkopf. Und dann auch noch dies: die altbekannte Pølser- und Burgerbude neben dem Waschhaus hat sich still und heimlich verabschiedet. Kein Grillduft mehr, dafür frische Abrissromantik!

So werden wir uns wohl für den nächsten Abend – heute haben wir ja eine Einladung von Ulli – ein anderes Menü ausdenken müssen. Ganz sicher bleiben wir nämlich einen Tag hier, denn die Windvorhersage für morgen spricht von SüdWest mit 6 Bft., Böen 8… nicht unser Wind. Und schon garnicht für die geplante nächste lange Etappe bis nach Ystad. 

Der neue Tag hat tatsächlich den angekündigten Wind und den einen oder anderen Regen im Gepäck: wir bleiben. Ulli hat die Unruhe in sich, überlegt zwar erst noch ein wenig, legt dann aber ab. Sein Schiff ist schneller als unseres, und so muss er die ungemütlichen Bedingungen nicht so lange aushalten. Er ist ja schon groß… muss er selber wissen.

Die weitere Vorhersage verspricht passenden Wind für den nächsten Tag und so planen wir mal wieder einen frühen Start. Und daher heute ein frühes Abendessen. Ein kleines italienisches Restaurant (Portofino) lockt uns, doch es ist leider voll duchreserviert. Aber die Chefin sieht unsere hungrigen Minen und so bekommen wir einen kleinen Tisch… aber nur, wenn es denn schnell geht. Das liegt ja nicht an uns, sondern an der Küche😬 Wir bleiben, haben schnell gewählt und bekommen als besonderes Schmankerl sogar ein kleines Ständchen: Pizzabäcker und Bedienung servieren vor dem Essen ein wenig Gesang mit Klavierbegleitung. Das ist doch mal nett! Pizza ist echt lecker und so kommen wir satt und beschwingt zurück an Bord und bereiten noch alles für einen frühen Start am nächsten Morgen vor.

Wecker um 05.00Uhr. Normalerweise nicht die Aufsteh-Zeit für einen Sonntag (17. Mai). Doch wir haben eine weite Strecke vor uns und wollen auch bei Tageslicht ankommen. Leise schleichen wir uns aus dem Hafen – und sind nicht die Ersten 😳. 

Die Regenwolken haben sich verzogen. Wir erleben die Kreidefelsen von Møns Klint wieder mal in ihrer vollen Schönheit. Die Sonne taucht die imposanten Felsen in ein funkelndes, fast magisches Licht. Die weißen Steilwände leuchten förmlich vor dem blauen Meer, während sich im sanften Morgenlicht zarte Schatten auf den Felsen abzeichnen. Der Anblick dieser einzigartigen Landschaft begeistert uns jedes Mal aufs Neue und macht den Moment unvergesslich. Ich weiß garnicht, wie oft ich diese Felsen schon fotografiert habe… heute jedenfalls auch.

Der achterliche Wind schiebt uns langsam gen schwedische Südküste. Irgendwann allerdings nur noch so sanft, dass wir den Jockel mit anmachen. Trotz leisem Brummen im Hintergrund ist es aber ein schöner Törn. Die Wellen wiegen uns leicht hin und her und ich komme mit dem Lesen des ersten Krimis gut voran. Navigatorisch gibt es nicht viel zu tun: es geht ganz lange einfach geradeaus.

Höhere Aufmerksamkeit ist allerdings beim Queren der Schifffahrtslinie notwendig. Doch es sind nicht wirklich viele Fracht- und Passagierschiffe unterwegs, die wir aber zeitig nicht nur am Horizont sondern auch auf unserer elektronischen Seekarte sehen – AIS (= automatisches Identifizierungs-System) macht es möglich. Nur „Nils Dacke“ (Fähre auf der Route Kleipeda – Trelleborg – Travemünde) würde uns reichlich nahekommen. Gerade, als wir überlegen, unseren Kurs ein wenig zu ändern, sehen wir, dass er selbst seinen Kurs ändert, um uns nicht zu nahe zu kommen. Sehr nett. Als segelndes Fahrzeug haben wir Vorfahrt, die wir aber für die großen Pötte auch gerne aufgeben.

Endlich angekommen in Schweden. Nach knapp 9 Stunden erreichen wir den Yachthafen von Ystad und werden von Ulli am Steg empfangen. Danke für’s Leinen annehmen! Nach dem langen Tag ist selber kochen keine Option und so buchen wir uns im kleinen Restaurant am Hafen (Restaurang Marinan) ein. Ich freue mich schon den ganzen Tag auf das früher hier servierte Krabben-Sandwich… und tatsächlich steht es noch auf der Speisekarte. 

Und dann… wir hören recht deutlich die Koje nach uns rufen. Nach dem langen Tag nicht verwunderlich. Und eines ist sicher: morgen wird ausgeschlafen!

Bis dahin… 💁‍♀️💁‍♂️

Stay tuned und keep watchi

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