Etappen Bagenkop – Spodsbjerg – Stubbeköbing – Klintholm – Ystad – Simrishamn
29. April – 05. Mai2022
Langsam kommt Fahrt ins Schiff.
Von Bagenkop aus sind wir um die Südspitze Langelands herum und an Langelands Ostküste hoch gefahren. Eine massive Nordströmung hat uns dabei zeitweilig mit 3 Knoten (!!) mitgeschoben. Wir hatten auf der Logge 9kn Geschwindigkeit – über Grund! Allerdings war der reichlich böige Wind auch deutlich kälter als das laue Lüftchen, das wir auf dem Weg nach Bagenkop genießen konnten. War garnicht soo böig angesagt. Und so haben wir uns entschieden, einen Stop in Spodsbjerg einzulegen. Der Hafen (einziger Hafen an Langelands Ostküste) ist sowohl Lotsenstation für den dicht vorbeiführenden schmalen Verkehrs-Weg durch den Belt als auch ein Mekka für Sportangler, da hier eines der fischreichsten Gebiete Dänemarks sein soll. Die Angelfans können hier viele kleine Angelboote mieten. Im Hafen liegen ca. 70 von den kleinen Nußschalen bereit. An bestimmt 20 von ihnen, besetzt mit jeweils zwei bis drei dick eingemummelten Anglern, sind wir unterwegs vorbeigekommen. Im Hafen findet man, extra für die Angler, einen großen Küchenraum zum Fische ausnehmen und waschen, diverse kleine Kühl-/Gefrierschränke (zu mieten) und sogar einen großen elektrischen Außengrill mit flacher Bratfläche. Ideal für Fisch. Das gibt es sonst in Häfen nicht in dem Umfang.
Wir haben in unseren alten Unterlagen gekramt… wir waren 2005 das letzte Mal hier. Hat sich aber irgendwie nichts verändert – war damals nur deutlich voller, da Sommer. Jetzt sind wir der einzige Gastlieger.

9.4kn über Grund




Bei einem Spaziergang die Hauptstraße entlang stellen wir fest: hier gibt es einige Einwohner (von nur ca. 200 im ganzen Ort), die richtig viel in ihr Wohnumfeld investieren. Einige Häuser, speziell die, die direkt an der Küste mit unverbaubarem Blick aufs Wasser liegen, sind richtig chick. Vermutlich sind hier auch Ferienwohnungen zu mieten.
Und eines steht fest: heute gibt es endlich richtig gesundes Essen😜… die in Bagenkop wegen „geschlossen“ ausgelassenen Burger mit Pommes! Die hiesige Burger-Bude hat geöffnet – Angler essen offensichtlich nicht nur Fisch.





Der nächste Tag begrüßt uns mit ein wenig Sonne und ganz wenig Wind. Wir starten ins Smalandsfahrwasser und müssen dafür – unter Motor – erstmal quer über den vielbefahrenen Seeweg Langelandsbelt (wird später zum Großen Belt). Wir haben Glück: nur ein Schiff mit Namen L 800 kommt uns mit 12 Knoten entgegen gerauscht… und reduziert dann aber netterweise seine Geschwindigkeit auf 7kn (!!). Müsste es nicht, tut es aber. So können wir problemlos passieren. Prima. Kalli ist nett, bedankt sich über Funk und nutzt die Gelegenheit, mal mit einem NATO-WARSHIP (klingt netter als Kriegsschiff) zu sprechen. Dank an L 800 für die Rücksichtnahme. Und wer hat schließlich schon mal mit der NATO gefunkt.




Leider bleibt der Wind recht schwach und die Sonne scheint nur über Land – wo wir sind, sind nur Wolken. Blöd. Wir entscheiden, nicht unsere Lieblingsinsel Vejrø anzulaufen. Der Privathafen öffnet erst am 07. Mai und evtl. hätte man uns um Weiterfahrt gebeten. Wir nutzen das ruhige Wasser und fahren einfach bis nach Stubbekøbing im Grønsund weiter und machen etwas Strecke.
Kalli kontrolliert unterwegs mal wieder unseren Motor. Vor einigen Tagen gab es nämlich einige Tropfen Öl an Stellen, wo kein Öl sein soll. Nach der Ursachenforschung und hoffentlich Fehlerbeseitigung jetzt Ergebniskontrolle: alles wieder tacko – Kalli ist zufrieden!!



Auf unserem weiteren Weg müssen wir mal wieder eine Brücke passieren – nicht schon wieder…
Die Storstrømbrücke wird ebenfalls, wie die Bahnbrücke Lindaunis in der Schlei, ganz neu gebaut: der dänische Staat baut sie zwischen Seeland und Falster als Teil der Eisenbahnanbindung zum geplanten Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Dänemark und Deutschland. Die 3,8 km lange Brücke soll rund 560 Mio.€uro kosten und 2022 eröffnet werden. Letzteres wird wohl nicht klappen, denn sehen kann man von der Brücke noch nicht wirklich viel. Und wir haben 2022. Scheint wohl in Dänemark mit Terminen auch nicht viel anders zu laufen als in Deutschland.
Die neue Brücke soll als Ersatz für die marode Eisenbahnbrücke von 1937 dienen und eine zweigleisige Bahntrasse, eine zweispurige Straße sowie Fußgänger- und Radweg aufnehmen. Die letzten Jahre durfte man nur an bestimmten Stellen unter der Brücke durchfahren – sie hat eine Durchfahrtshöhe von 25m – da an anderen Stellen mit herunterfallenden Betonteilen gerechnet werden mußte! Steht sogar so in der Seekarte!! An der alten Brücke hätte also dringend was passieren müssen.







Uns stören die bisher wohl nur unter Wasser ausgeführten Arbeiten nicht – ein Fahrweg durch die Baustelle ist klar mit Tonnen markiert – und so können wir nach 8h Fahrt im Stadthafen Stubbekøbing an der Mole längsseits festmachen. Wind ist wenig und ablandig, sodaß Pilgrim nicht an die Hafenmauer gedrückt wird. Sogleich spricht uns ein junger Mann auf voll bepacktem Fahrrad an und fragt, ob wir ihn zur gegenüberliegenden Insel mitnehmen könnten. Er hatte nämlich leider die letzte Fährpassage mit der kleinen und alten Fähre Ida verpasst. Leider nein, denn wir sind froh, endlich fest zu sein. Am nächsten Tag könnten wir ihn mitnehmen, aber bevor wir es ihm anbieten können, ist er schon wieder weg. Der nette Typ erinnert mich sehr an einen Kollegen, der gerne lange Radtouren (immer allein!) auf der ganzen Welt unternimmt: Ostküste Amerika, rund Irland, über die Alpen… und dann gibt es immer tolle Fotobücher zu sehen. Lieben Gruß an Olli!
Wir genießen unseren nach der langen Strecke wohlverdienten Einlaufdrink im Cockpit – in der Sonne! Jetzt plötzlich ist nämlich keine Wolke mehr am Himmel. Hätte ja auch ruhig unterwegs schon so sein dürfen.



Auf einen Spaziergang durch den Ort verzichten wir. Von unseren letzten Besuchen hier wissen wir: diese einst bedeutende Hafenstadt stirbt langsam. Vieles steht leer (auch schon vor Corona). Der Hafen-Vorplatz mit seinem schönen Backsteinbau (und Weinhandlung!) wurde zwar saniert – und war auch schon Nebenschauplatz in einem deutschen Krimi (Tod eines Mädchens 2 / Barbara Auer+Heino Ferch) – aber das reißt es auch nicht raus.
Am nächsten Tag motoren wir weiter nach Klintholm. Leider kein Wind, leider wieder wenig Sonne und im Hafen kaum Schiffe – das wiederum ist sehr schön. Doch leider ist unser Lieblingsrestaurant „Hyttefaded“ noch geschlossen. Sehr schade! Noch keine Saison. Hier gibt es die allerbesten Schollen! Nur eben noch nicht am 1. Mai. Aber auf die Öffnung am 06. Mai warten kommt nicht in Frage.





In Klintholm bleiben wir einen Tag und warten auf den richtigen Wind. Die aktuelle Windstärke würde zwar so grad noch passen, doch die Richtung ist genau von SW und der Kurs ist NE – also Wind genau von achtern. Und das heißt: die Welle läuft hinter einem her… die Strömung am Ruder ist nicht optimal und das Schiff kommt blöd ins rollen… empfindliche Gemüter nennen diese Welle auch gerne Kotzwelle… permanentes Aufpassen, dass das Großsegel nicht umschlägt… oder nur mit Fock, denn für den CodeZero ist es zuviel Wind… und das alles für mindestens 9-10 Stunden… nein Danke. Das hatten wir vor einigen Jahren schon mal auf dem entgegen gesetzten Kurs und entscheiden uns dagegen.
Stattdessen nutzen wir die Zeit für „maintenance“ und Bürokram.


Wir nutzen den kleine Mini-Brugsen-Einkaufsladen im Hafen, der wirklich gut sortiert ist, um unser Abendessen zu komplettieren und wundern uns über die wirklich reichlich flott in den Hafen hereinbrausenden Offshore-Zubringerschiffe. Der Hafen ist seit einiger Zeit Versorgungsstation für den vor der Küste entstandenen riesigen Windpark. Dort stehen inzwischen 152 Windturbinen im Wasser und die Versorgungsschiffe pendeln mit 25kn Geschwindigkeit zwischen Klintholm und dem Windpark.



Ganz entgegen unseren Gepflogenheiten bleiben wir die Hafengebühr für die zweite Nacht schuldig. An den Stegen und Sanitäranlagen hat über den Winter offensichtlich niemand was gemacht. Macht alles einen reichlich ungepflegten Eindruck. Defekte Duschen, dreckige Waschbecken, kaputte Stromsäulen an den Stegen… und dann aber die höchste Liegegebühr weit und breit haben wollen. Das passt nicht zusammen. Wir kürzen. Eine Bezahlung muss für zwei Nächte reichen.
Am nächsten Morgen hören wir schon Kurt Walander rufen und legen ab mit Kurs Ystad an der Südküste Schwedens. Unterwegs kommen wir direkt an dem riesigen Windpark vorbei. Er liegt genau auf unserer Kurslinie, die wir glücklicherweise nur geringfügig anpassen müssen. Für den langen Weg nach Ystad nicht auch noch nen Umweg fahren.




Nach 10 Stunden erreichen wir Ystad. In der letzten Stunde hat es leider ein wenig genieselt, aber sonst war es eine friedliche Überfahrt. Nur eben lang. Und irgendwie fühlt sich die zweite Hälfte auch viel länger an als die erste. So lange Etappen sind nicht unsers… aber manchmal eben notwendig mangels passender Alternativen, nämlich Häfen mit genügend tiefem Wasser. Und Umwege fahren wir auch nicht so gerne.




(wird auch später wieder sonnig)

Also nach Ystad, erstmal ausschlafen und Stadtbummel machen. Aber Kurt Walander treffen wir nicht… schade. Daher geht es nach einem Ruhetag weiter… allerdings bei absoluter Flaute, dafür schönem Sonnenschein. Unser Jockel (Motor) muss ran und bringt uns gemütlich nach Simrishamn. Dort haben wir ein riesiges Hafenbecken fast für uns alleine – Fischereihafen West – denn im Yachthafen piept unser Tiefenalarm. Offensichtlich ist der Hafen etwas versandet über den Winter und hat nicht überall die Tiefe, die im Hafenhandbuch angegeben ist. Macht nichts – ab in das große Hauptbecken und längsseits angelegt.



Jetzt fehlen nur noch 2 Etappen, bevor unsere Kurslinie nur noch gen Norden zeigt!







One Response
Hallo Segler,
Ihr kommt ja gut voran. Mit Maps Hilfe und dem wirklichen ausführlichem Bericht, kann man Euch auf der Reise sehr gut folgen. In den armen Radler kann ich mich auch gut hineinversetzen. So ne Wasserbarriere mit spärlicher Fährverbindung kann einem echt den Tagesschnitt versauen.
Dann wünsche ich Euch noch mehr Sonne und vor allem ausreichend Wind und bin gespannt, wie es weitergeht.
Gruß Olli