Entlang der Küste Schonens (Hanö bis Ystad)

29. Juni – 09. Juli 2026

Hanö – Simrishamn – Ystad – (Kåseberga) – Ystad

Wir schleichen uns recht früh aus dem Hafen von Hanö – natürlich in der festen Überzeugung, dass der angekündigte Westwind nur auf uns gewartet hat. Bei der Vorbeifahrt kommt bei einem Schiff vor uns ein Kopf aus dem Luk. Stefan winkt uns zum Abschied… waren wir etwa zu laut? Kann nicht sein, völlig ausgeschlossen. Er wollte eh früh raus… alles gut. Der Wind kommt dann auch tatsächlich – nur leider eher in der Variante „nett gemeint“ und mit etwas zu viel Süden im Gepäck. Nun ja, man kann nicht alles haben. Trotzdem gönnt uns der Tag ein paar richtig schöne Stunden auf dem Wasser.

Bei unserer Ankunft in Simrishamn können wir wieder an einem unserer bevorzugten Liegeplätze festmachen. 

Bald bekommen wir neben uns neue Nachbarn – glücklicherweise nicht direkt Bordwand an Bordwand, sondern ganz komfortabel auf der anderen Seite des Steges. Das macht die Sache gleich noch sympathischer: nah genug für ein freundliches Schwätzchen, weit genug weg für ungestörtes Kaffeetrinken im Cockpit. Die Truppe entpuppt sich als sehr nett und hat bereits eine Nachtfahrt hinter sich. Dafür wirken alle erstaunlich munter. Am nächsten Tag, als sie wieder ablegen wollen, können wir ihnen noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben – nur ein bisschen Ablegemanöverberatung, da der Wind sie direkt auf den Steg drückt. Nehmen sie gerne an und… schwups, sind sie los. 

Anschließend geht es für uns ins Städtchen, um endlich die fehlende dünne Häkelnadel zu kaufen. Damit ist die Produktion des letzten kleinen Hippos offiziell gesichert. Und dann ist die entsprechende Wolle aber auch wirklich bis zum letzten Fussel aufgebraucht. Wenn schon unterwegs gehäkelt wird, dann bitte auch bis zum großen Finale. 

Natürlich führt auch kein Weg am Fischmann vorbei – schließlich gibt es Rituale, die man nicht leichtfertig ausfallen lässt. Und dann… siehe da: da ist es endlich! Unser Windfenster… wir legen ab. Doch der Wind spielt mal wieder ein fieses Spiel mit uns: erst stellt er sich tot – Flaute, kaum ein Kräuseln auf dem Wasser – und dann dreht er plötzlich auf, als hätte jemand den Schalter umgelegt. Strammer Wind genau von vorn, dazu stürmisches Getöse, das die See deutlich rauer wirken lässt, als uns lieb ist. Doch wir sind früh dran – zum Glück – und erreichen Ystad rechtzeitig (Mittwoch, 01. Juli). Dort suchen wir uns im nur mäßig gefüllten Hafen einen Platz, bevor die Lage richtig ungemütlich wird. Am Abend ist der Hafen dann fast voll belegt. Offenbar haben nicht nur wir verstanden, dass man die Windvorhersagen besser ernst nimmt.

Wir richten uns auf mehrere Hafentage ein, denn es stürmt… auf der gesamten südlichen Ostsee. Ystad ist zwar ein nettes Städtchen, allerdings müssen wir es demnächst doch mal aus unserem Törnplan streichen. Kaum ein Aufenthalt, der nicht durch stürmischen Wind deutlich verlängert wurde. Doch bisher wissen wir uns zu beschäftigen. 

Am zweiten Tag nimmt der Wind noch etwas weiter zu und wirklich niemand verlässt den sicheren Hafen. Sonst gibt es immer den einen oder anderen, der entweder hart im Nehmen ist oder dessen gewünschter Kurs nicht gerade genau gegen den Wind führt. Dach aktuell ist es wirklich nicht nett auf dem Wasser. Die Ostsee zeigt plötzlich ihre raue Nordsee-Seite: draußen peitscht der Wind die Wellen auf den Strand, und selbst bis in unser Hafenbecken rollen sie hinein. Das hat aber niemand bestellt. Normalerweise gibt es tagsüber höchstens dieses harmlose, fast gemütliche Schaukeln, wenn die Fähren nach Bornholm/Dänemark und Swinemünde/Polen im benachbarten Fährhafen einlaufen und etwas Schwell den Weg in unser Hafenbecken findet. Heute aber ist nichts mehr harmlos. Die Schiffe zerren unruhig an den Leinen und werden immer wieder angehoben und hin und her geschaukelt. Nicht nur wir arbeiten deshalb etwas nach, verstärken die Festmacherleinen und fendern zusätzlich ab, damit das Schiff nicht mit jeder Welle hart in die Leinen ruckt. Der gut sortierte Schiffsausstatter macht heute sicher gute Geschäfte – Ruckfender stehen hoch im Kurs und sind heute keine nette Ergänzung, sondern plötzlich sehr wichtiges Schiffsinventar.

Der kräftige Wind zeigt inzwischen, was er kann: er saugt so viel Wasser aus dem Hafenbecken, dass wir am Morgen rund 50 cm tiefer schwimmen. Ein ungewohnter Anblick – plötzlich liegt der Steg in einer ganz neuen Perspektive neben uns. Zum Glück ist das Hafenbecken tief genug, also kein Grund zur Panik. Und als sich der Wind am nächsten Tag kurzzeitig von 8–9 Bft. auf „nur“ noch 5–6 Bft. beruhigt, kommt auch das Wasser wieder zurück. Quasi Tidenhub auf Ostsee-Art: eben windbetrieben.

Mit dem etwas nachlassenden Wind wagen sich dann tatsächlich ein paar wenige Schiffe wieder hinaus. Allerdings fast alle mit östlichem Kurs – da hat man „nur“ eine kräftige Welle im Rücken und muss sich nicht auch noch gegen Wind und See nach Westen quälen. Für uns beides keine Option. Also entsteht Plan B: wenn wir schon nicht weitersegeln können, fahren wir eben mit dem Zug nach Simrishamn – da waren wir ja schließlich schon lange nicht mehr – Scherz am Rande 🥴. Freunde von uns hat dasselbe Hafentage-Schicksal erwischt: zu viel Wind, falsche Richtung, keine Chance auf einen entspannten Schlag. Also ab zum Bahnhof. Der Zug ist pünktlich (!) und nach nur 39 Minuten stehen wir in Simrishamn.

An Bord der „Moderato“ vergeht die Zeit wie im Flug. Ine und Frank waren früher mal Nachbarn in unserem Heimatort. Dann sind wir alle umgezogen und haben uns etwas aus den Augen verloren. Doch die Welt ist klein und nun treffen wir uns auf der Ostsee! 🤗

Und dann gibt es auf dem Weg über den Steg tatsächlich noch eine kleine hafentechnische Fortsetzungsgeschichte mit erfreulichem Ausgang: vor dem Stegende, an dem wir letztens noch lagen und an dem jetzt auch die „Moderato“ festgemacht hat, sind zwei Männer damit beschäftigt, eine Warnboje zu setzen. Man erinnere sich: Kalli hatte die Hafenbehörde bereits bei unserem ersten Besuch in diesem Jahr – immerhin am 18. Mai – auf die gefährlich dicht unter der Wasseroberfläche verlaufenden Stegverankerungen hingewiesen. Zuvor war ein Schiff dagegen gefahren, ein Besatzungsmitglied wäre dabei beinahe über Bord gegangen. Auch bei unserem nächsten Aufenthalt am 29. Juni war noch nichts markiert, doch die freundliche Hafenmeisterin – es ist inzwischen Saison und sie vor Ort – hatte zugesagt, sich darum zu kümmern. Und siehe da: seit dem 04. Juli markiert nun eine Warnboje die kritische Stelle und sorgt hoffentlich dafür, dass man künftig mit etwas mehr Abstand um Stegende und Abspannungen fährt. Schön, wenn ein Hinweis tatsächlich Wirkung zeigt. Aber Achtung: bitte diese gelbe X-Boje nicht als Segler-Tic-Tac-Toe ansehen und evtl. ein O-Boje daneben legen😜 – danke an Olli für den Hinweis!

Den Heimweg, diesmal mit dem Bus – und man glaubt es kaum: ebenfalls pünktlich! – unterbrechen wir in Kåseberga. Da wir es bei der Vorbeifahrt auf dem Wasser wieder einmal nicht geschafft haben, uns zu einem spontanen Stopp durchzuringen, besuchen wir den Ort nun eben von der Landseite. Nach der Ankunft führt der Weg erst einmal vorbei an Fischbuden, verführerischen Gerüchen und der leisen inneren Diskussion, ob Kultur wirklich vor einem Fisch-Snack kommen muss. Tut sie offenbar. Also geht es gleich den Berg hinauf zu Ales Stenar, der rund 1.400 Jahre alten und wohl bedeutendsten Schiffssetzung Schwedens. Unser letzter Besuch ist ungefähr 20 Jahre her – höchste Zeit also, nachzusehen, ob die Steine noch alle richtig herum liegen. https://de.wikipedia.org/wiki/Ales_stenar

Als wir gerade den Heimweg antreten wollen, fährt noch ein Schiff in den Hafen, dass wir vorher schon in Simrishamn gesehen haben – und auch schon vor einiger Zeit auf Hanö… man trifft sich halt immer wieder. Also gleich mal hin und „Hallo“ gesagt. Wir erfragen uns von der „Mabetica“ aktuelle, und vor allem verlässliche Angaben zur Wassertiefe im Hafen und räumen unsere Bedenken bezüglich zu geringer Wassertiefe für uns aus. Die Daten in den Hafenhandbüchern sind nämlich nicht sonderlich umfangreich und scheinen uns auch nicht gerade vertrauenerweckend, daher haben wir bisher ein Anlaufen des Hafens vermieden. Man will ja nicht in der Einfahrt steckenbleiben. Dank an Bettina und Martin, jetzt wissen wir, dass wir da hineinpassen. Die Tiefe ist ausreichend.

Die nächsten Tage ziehen zäh dahin… der Sturm lässt uns kaum los, gönnt uns höchstens kurze Atempausen, bevor er wieder an den Leinen zerrt und durchs Hafenbecken pfeift. An eine Weiterfahrt gen Westen ist nicht zu denken. Doch irgendwann wächst bei einigen Bootfahrern die Ungeduld – oder nennen wir es beim Namen: Hafenkoller – und sie wagen sich hinaus. Allerdings ausnahmslos mit östlichem Kurs. Für uns ist das der Moment zum Handeln: freie Plätze! An unserem Liegeplatz längs an der Mole hängt immer das Damoklesschwert eines Nebenliegers über uns. Ach nee… lass mal. Ist bisher zwar gut gegangen, aber man weiß ja nie. Also nutzen wir die Gelegenheit und verlegen uns. Sogar für „Moderato“ können wir einen Platz freihalten. Ine und Frank wollen eine kurze Windberuhigung nutzen und sich, mit Zwischenstopp in Kåseberga, auch nach Ystad durchschlagen. Als sie schließlich ankommen, sieht man ihnen die Überfahrt an: unterwegs kaum Sicht, störrische Welle, Regen, alles grau, alles nass, alles anstrengend… das volle Programm, das niemand bestellt hat und niemand will. Aber sie sind gut angekommen! Das ist die Hauptsache!

Hafentage bei Starkwind und Regenschauern sind diese besondere Mischung aus Zwangspause und Bord-Alltag mit Geräuschkulisse: der Wind pfeift in den Wanten, die Festmacher knarren, Fender quietschen beleidigt an der Bordwand und immer wieder rauscht ein Schauer übers Deck. Draußen sieht alles wenig einladend aus: grauer Himmel, kurze harte Böen, ab und zu ein schüchterner Sonnenstrahl zwischen den Wolken hindurch, nasse Stege, flatternde Sprayhoods und Leinen und dazu Crews in Ölzeug, die nur kurz den Kopf aus der Kajüte stecken, um die Leinen zu kontrollieren oder schnell mal zum Sanitärgebäude oder Supermarkt zu huschen. Jeder Gang wird sorgfältig abgewogen: muss das jetzt wirklich sein oder reicht der Kaffeevorrat noch bis zur nächsten Regenpause?

Unter Deck dagegen entsteht diese typische Hafentag-Gemütlichkeit: der Wasserkocher arbeitet, auf dem Tisch steht Tee (mit Rum 🤭), und das Barometer wird mit misstrauischem Blick beobachtet – es sinkt aktuell ins bodenlose. Gestartet war es bei 1019hPa, jetzt zeigt es 998hPa – ups. Wind… Wind… und nochmal Wind. Auch die Wetter-App wird regelmäßig begutachtet, aber ohne die erhofften neuen Erkenntnisse. Wir lesen – sogar Kalli – stricken oder häkeln, schreiben Logbuch bzw. Blog, legen mal wieder die Bilge trocken (tropft da etwa der Boiler schon wieder?) oder schauen einfach dem Wetter dabei zu, wie es eindrucksvoll beweist, dass Weiterfahren wirklich keine gute Idee gewesen wäre. Und irgendwann gehört auch das dazu: ein kurzer Schnack mit den Nachbarn am Steg, alle mit hochgezogenen Kragen und denselben Sätzen auf den Lippen: „Morgen soll es besser werden.“ – „Ja, ja, aber Wind immer noch aus der falschen Richtung.“ – „Na, mal sehen, muss sich ja irgendwann ändern.“ So oder so ähnlich zieht die Zeit dahin, zwischen Schauern, Böen und kurzen Fussmärschen ins Städtchen. Nicht gerade Segeln wie aus dem Prospekt – aber ganz eindeutig normales Törnleben. Sollte der Sommer tatsächlich schon vorbei sein? Nein – keine Sorge: am Mittwoch (08. Juli) ist zwar immer noch reichlich Bewegung in der Luft, doch schon mal wieder richtig schöner blauer Himmel. Da hört sich das Rauschen des Windes gleich irgendwie weniger ruppig an. Aber immer noch keine Windstärke zum Ablegen. Geduld ist weiterhin gefragt.

Doch die Schönwetterperiode mit moderatem Wind ist schon im Anmarsch… langsam taucht sie in den Vorhersagen auf. Yeah!!

Bis dahin… 💁‍♀️💁‍♂️

Stay tuned und keep watching

Kommentare:

One Response

  1. Bei so vielen Hafentagen in Ystad hattet ihr ja ausreichend Gelegenheit, den weltberühmten Bootsausrüster im Hafen zu besuchen.

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