Saisonende 2026

17. August – 30. September 2026

Grömitz – Großenbrode

Das Wetter spielt zunächst den Spielverderber. Statt uns mit Sonnenglitzern, lauem Lüftchen und gemütlichem Ostsee-Schaukeln ans Meer zu locken, serviert es uns einen eher unappetitlichen Mix aus Schauern, ruppigem Wind und grauem Himmel. Die Sonne lugt nur zwischen vielen Wolken hindurch… sagen uns jedenfalls diverse Vorhersagen voraus. Also bleiben wir im August erst einmal ein paar Tage länger zu Hause. Wenn die Luft sowieso, rein seglerisch gesehen, ein wenig raus ist – schließlich soll es ja „nur“ vor der Haustür etwas hin und her gehen – und die Vorhersagen eher nach Ölzeug als nach Sonnenhut klingen, können wir genauso gut an Land bleiben und dort ein paar Termine wahrnehmen.

Irgendwann ist das aber erledigt und die Wettervorhersage lockt uns doch wieder an die Ostsee. Die Aussicht auf ein paar schöne Tage an Bord ist einfach zu verführerisch – auch wenn im Hinterkopf bereits leise das Thema Auswassern anklopft.

Dann erleben wir einen dieser Momente, die wohl irgendwann zu jedem Bootsleben dazugehören: liebe Segelfreunde haben beschlossen, ihr Schiff zu verkaufen und dem Hafen den Rücken zu kehren. Was lange selbstverständlich war, ist für sie an Bord inzwischen zu beschwerlich geworden – und irgendwann wächst eben auch die Erkenntnis, dass es tatsächlich ein Leben ohne Segelschiff gibt. Für uns ist das Anlass genug, ein kleines Überraschungs-Abschiedstreffen zu organisieren. Aus der geplanten netten Runde mit gutem Essen und leckeren Getränken wird ein sehr berührender Abend, an dem viel gelacht, erinnert und auch die eine oder andere Träne verdrückt wird. Doch so ist das Leben.

Schließlich fügt sich alles: Wetter und Wind passen, die Ostsee zeigt sich von ihrer friedlichen Seite, und Kalli nutzt die Gelegenheit, um alleine mit „Pilgrim“ nach Großenbrode zu fahren. Ich nehme währenddessen den Landweg mit dem Auto – so bleibt uns die Bitte an Freunde um einen Shuttle-Service erspart. Als Kalli in Großenbrode einläuft, stehe ich bereits auf der Außenmole bereit und kann noch rechtzeitig an Bord springen. Zu zweit geht das Anlegen dann eben doch ein bisschen entspannter. Wir bekommen tatsächlich wieder unseren Lieblingsplatz, stoßen mit einem letzten Anlege-Drink an und lassen uns anschließend vom herrlichen Spätsommerwetter verwöhnen. Viel besser hätte dieser Tag wirklich nicht laufen können.

Dann rückt er näher, der etwas wehmütige Teil der Segelsaison: packen, putzen, klar Schiff machen und schließlich abriggen. Wat mut, dat mut. Bevor wir uns jedoch endgültig dem Saisonendspurt ergeben, schieben wir noch ein kleines Kontrastprogramm ein: Hamburg ruft. Die Geburtstagsfeier meines Großcousins lockt uns in die Großstadt – und wie passend für uns, findet das Ganze natürlich nicht irgendwo statt, sondern standesgemäß auf einem Schiff. Das Feuerschiff LV13 liegt bereit und verspricht genau die richtige Mischung aus Hafenatmosphäre, besonderer Kulisse und zünftiger Feier. Damit wir nach einem langen, fröhlichen Abend nicht noch zwei Stunden über die Autobahn zurückmüssen, gönnen wir uns ein Zimmer im Hotel Hafen Hamburg. Zugegeben, kein Schnapper – eher Augen zu und Karte durchziehen. Aber bei nur 13 Gehminuten bis zu den Landungsbrücken und zum Liegeplatz der LV13 kann man schon mal großzügig darüber hinwegsehen. Diese Strecke schafft man schließlich auch beschwingt zu später Stunde.

Nachdem wir wieder bei uns an Bord sind, am Montag, den 28. September, lässt sich das Saisonende nicht mehr ignorieren. Die Segel werden abgeschlagen, Leinen ordentlich aufgeschossen und alles, was nicht bis zum nächsten Frühjahr an Bord wohnen möchte, wird von Bord getragen. Aber natürlich alles gaaaanz gemütlich und tiefenentspannt – wir nennen es einfach mal „entschleunigtes Abriggen“. Das Wetter macht zum Glück mit: nicht strahlend sonnig und heiß, sondern genau richtig für räumen, wühlen, sortieren und sich zwischendurch eine Pause gönnen. Wir haben schließlich keine Eile. Die Segel nimmt dann auch gleich der Segelmacher unseres Vertrauens mit… zur Durchsicht und Einlagerung. Hat sich in den letzten Jahren bewährt.

Das Einfädeln der Pilotleinen und anschließendes Aufschießen der Leinen lasse ich mir natürlich nicht nehmen. Kalli kümmert sich derweil um die Elektrik und die Kabel, die durch den Mast laufen. Die Anschlüsse müssen, wie jedes Jahr, gelöst werden, denn der Mast muss schließlich runter.

Am Kran-Tag gibt die Sonne alles und sorgt für strahlend blauen Himmel zum Abschied . 

Die Werft-Crew arbeitet wieder hochprofessionell und ohne Hektik und setzt unser Schiff gekonnt aufs Trockene. Nun kann der reparierte Rumpfschaden von unserer Werft von außen begutachtet werden. Einen ersten Eindruck von innen hatten sie sich ja schon verschafft. 

Und jetzt zeigt sich auch, dass das in Västervik – nach der Reparatur des Rumpfschadens – aufgebrachte Antifouling mit den deutschen Produkten bei weitem nicht mithalten kann. Nirgends am Schiff haben sich Seepocken festgesetzt, nur an der reparierten Stelle. Als wenn den Tierchen das schwedische Produkt besonders gut mundet. Aber das war vorherzusehen, denn in Schweden herrschen sehr strenge Regeln bezüglich der für den Unterwasseranstrich verwendeten Farben (siehe Karte unten). Ganz im Norden der Ostsee und den Großen Seen im Land dürfen garkeine Antifoulings verwendet werden. Vielleicht gibt es daher in den schwedischen Häfen so häufig Boots-Waschanlagen? Da fährt man mit dem Schiff hinein und der Unterwasser-Bewuchs wird mit großen Bürstenwalzen abgeschrubbt. Wie in einer Autowaschanlage, nur eben unter Wasser.

Unsere Winterlager-Werft wird den reparierten Schaden etwas großflächiger nacharbeiten und dann auch den schwedischen Unterwasseranstrich entfernen… damit im nächsten Jahr nirgends am Rumpf irgendwelche Seepocken eine neue Heimat finden!

Das war es nun für diese Segelsaison 🤷‍♀️… schade😢. Dafür haben wir jetzt wieder Zeit für „Festland-Freunde“ und Unternehmungen ohne Meerwasser. Auch schön.  Und außerdem: nach dem Segeln ist vor dem Segeln 😉

Vermutlich gibt es von uns noch kurze Berichte aus dem Winterlager in Großenbrode, von Besuchen in Grömitz und… wir werden sehen… ihr werdet sehen. 🤷‍♀️🥳 Und auf jeden Fall sind wir hier im Frühjahr 2027 wieder präsent.

Kommt alle gut über den Winter! 🎄🧑‍🎄🎅

Bis dahin… 💁‍♀️💁‍♂️

Stay tuned und keep watching

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