10. – 18. Juli 2026
Ystad – Klintholm – Hesnæs – Gedser – Warnemünde – Kühlungsborn – Grömitz
Wo kommt denn diese frühe Uhrzeit auf dem Wecker her? Sie war so schön lange weg, jetzt ist sie wieder aufgetaucht – so’n Mist 😵. Um 04 Uhr klingelt der Wecker. Es ist schon hell, also schlechte Sicht ist keine Entschuldigung. Wind hat sich beruhigt, hat sogar ein wenig die Richtung auf nördlichen Anteil gedreht und so können wir von Ystad gen Klintholm starten. Ein so früher Start ist schon deswegen notwendig, da wir sonst vermutlich irgendwo als dritter im Päckchen liegen müssen. Wir sehen ja, was in Ystad inzwischen so los ist – die Saison ist in vollem Gange und die Schiffe strömen abends nur so in den Hafen auf der Suche nach freien Liegeplätzen. Das ist ja so garnicht unser Ding. Hilft aber nicht 🤷♀️




Kaum ist das Großsegel gesetzt, macht der Wind eine Frühstückspause. Nur noch ein laues Lüftchen bringt uns voran. Tapfer lassen wir das Segel stehen, bemühen aber zusätzlich unseren Motor. Bei einer Distanz von 56sm bis nach Klintholm wird das sonst heute nichts mehr mit der Ankunft. Leider hat sich der Wind offensichtlich die letzten Tage total verausgabt, und so bleibt der Motor die gesamte Strecke an. 😵💫



Die Strecke bis nach Klintholm ist immer etwas langweilig, erst recht, wenn unterwegs keine besonderen seglerischen Anforderungen anstehen. Kein Segeltrimm, keine Kurswechsel, (heute) auch kein Frachtschiff-Ausweichmanöver… einfach nur geradeaus. So ist es halt.
Am frühen Nachmittag erreichen wir unseren Zielhafen Klintholm auf der Insel Møn – und tatsächlich ergattern wir den letzten freien Boxenplatz. Der frühe Vogel und so… 👏👏 Wir freuen uns riesig.



Kurz darauf klingelt das Telefon: „Wenn ihr 100 Meter den Steg entlanggeht, warten Bier oder Prosecco auf euch.“ Was für eine schöne Überraschung! „Wir kommen sofort!“ Wenige Minuten später sitzen wir an Bord der „Lady Elliot“ bei kühlen Getränken und netter Gesellschaft. Wie schön, wenn man im Hafen ganz unverhofft vertraute Gesichter trifft. Und besonders gut, dass Sigrid und Jürgen uns gesehen haben, wir wären vermutlich sonst erstmal einfach an Bord sitzen geblieben.

Zurück an Bord können wir beobachten, wie die (von uns) erwartete Segler-Flotte wie eine Mückenplage über den Hafen herfällt: Schiff um Schiff läuft ein und dreht seine Runden durchs Hafenbecken – alle auf der Jagd nach einem Schlafplatz für die Nacht. Sogar im Fischereihafen liegen die Boote schon im Dreierpäckchen! Normalerweise scheucht der Hafenmeister alle Freizeitskipper raus, da hier auch die Serviceflotte des Windparkbetreibers festmacht und viel Manövrierraum benötigt. Heute ist alles anders. Dabei wird uns schlagartig klar, wie handlich unsere Pilgrim mit ihren 40ft (12 m) eigentlich ist – Gott sei Dank! Wir dachten ja immer, wir gehörten schon zu den größeren Yachten. Aber hier liegen im Fischereihafen Kaliber von 49 bis 65 ft, also 15 bis 20 m. Uiuiui 😵💫








Wenn man allerdings, so wie wir, gemütlich im sicheren Boxenplatz sitzt, links und rechts nette Nachbarn, dann ist dieses Hafen-Tetris ausgesprochen unterhaltsam anzuschauen. Alles läuft erstaunlich friedlich ab, niemand fuchtelt wild mit Bootshaken, alle wirken entspannt… schönes Wetter eben. Und kein Wind.


Interessant zu sehen, wie sich der Hafen am nächsten Morgen ruckzuck leert, um am frühen Nachmittag wieder rappelvoll zu werden. Sommersaison halt und alle sind unterwegs. Wären wir doch jetzt bloß irgendwo weit nördlich von Stockholm, wie ursprünglich geplant 😢. Da wäre es nicht ganz so voll. Das berichtet jedenfalls unser Freund Ulli, der aktuell an der Ostschwedischen Küste (Höga Kusten und damit weit nördlich von Stockholm) unterwegs ist. Doch wir genießen die Zeit in Klintholm. Endlich mal Muße für ausgiebige Strandspaziergänge… und der Strand liegt quasi vor der Haustür.









Von Groß nach klein: Hippo Hugo, Pippa (Dunkelblau), Hanni, Krümel, und Fussel
Als wir lesen, dass der Hafen von Hesnæs tatsächlich wieder geöffnet ist, steht unser nächstes Ziel schnell fest. Nach der verheerenden Ostsee-Sturmflut vom Oktober 2023 war in Hesnæs, wie auch in vielen anderen Ostseehäfen, kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Molen, Stege, Hafenbecken – alles schwer beschädigt, manches schlicht weggerissen. Lange war unklar, ob und wie dieser kleine, besondere Hafen überhaupt wieder auf die Beine kommen würde. Umso neugieriger sind wir jetzt, was uns dort erwartet: Baustellencharme, Neubeginn-Stimmung oder vielleicht schon wieder echtes Hafenleben?





Steine der Molenbefestigung überall herum
Der Weg von Klintholm bis nach Hesnæs ist nicht so weit, so müssen wir nicht vor dem Aufstehen ablegen… auch mal wieder schön. Und unterwegs können wir sogar segeln! Endlich mal wieder. Wir liefern uns ein kleines Rennen mit einem anderen Schiff – auch etwa unsere Größe. Gaanz langsam ziehen wir ihm davon 👏👏 so macht segeln Spaß. Doch dann kommt er wieder näher… doch wir sehen: es läuft Wasser aus seinem Schiff. Er schummelt ein wenig und hat die Maschine mitlaufen. Zugegeben: der Wind hat etwas nachgelassen und auch wir haben schon über Motorunterstützung nachgedacht. OK… Motor an und Segel eingeholt. Wir sind eh gleich angekommen.

unterschiedliches Wärme-Empfinden




Ganz vorsichtig tasten wir uns in den Hafen hinein. Viel los ist nicht – nur ein paar Schiffe liegen verstreut an den Stegen, und plötzlich haben wir etwas, das in der Hochsaison fast luxuriös wirkt: freie Platzwahl. Die Leinen liegen bereit, die Boxen mit Heckpfählen sehen vertraut aus, fast wie früher. Vielleicht an einen Platz gleich links ums Eck? Doch kaum haben wir die Mole genauer im Blick, ist die Begeisterung dahin. Die Festmacherringe sitzen so tief, dass man sich zum Einfädeln der Leine vermutlich bäuchlings auf der Mole auf den Boden legen müsste. Alternative: ein sehr langer „Schweden-Haken“ und ein bisschen Artistik, um die Leine durch den Ring zu fädeln. Hier hat jemand geplant, der nichts mit Bootfahren am Hut hat. Ganz sicher jedenfalls niemand, der schon einmal bei Seitenwind, mit einer Vorleine in der Hand, sein Schiff schnell festmachen will. Vielleicht wird das ja noch geändert. Schön wäre es.




Also Kursänderung im Kleinformat: rüber auf die andere Hafenseite. Dort gibt es ebenfalls Boxenplätze mit Heckpfählen – mit richtig kräftigen dicken Dalben – und an der Mole warten erfreulicherweise ganz normale Klampen. Genau so mögen wir das. Vorleine klar, etwas Schwung holen, sauber über die Klampe werfen: sitzt. Leine dichtholen, fertig. Na ja, fast. Denn kaum liegen wir, zeigt sich die nächste Überraschung: Die Box ist für uns eher im Format „kurz und knackig“. Unsere Bugleiter bremst uns ein wenig ein und sitzt seitdem etwas schief am Bug. Nunja🤷♀️. Sie hält noch. Nach hinten schauen wir ein gutes Stück aus der Box heraus. Früher stand im Hafenhandbuch: bitte möglichst lange Leinen bereithalten. Damals waren die Boxen deutlich zu lang – heute sind sie (für uns jedenfalls) eindeutig zu kurz. Quasi Liegeplatz mit Stehtisch… auch mal nett.🤭




Und weil die Ostsee offenbar eher Dorfteich als Weltmeer ist, dauert es nicht lange, bis wir beim Einlaufdrink rätseln, woher wir das kurz nach uns eingelaufene Schiff kennen. 🤔 Der Skipper macht es uns auch nicht leichter, grüßt aber direkt mit: „Hallo, wir kennen uns doch!“ Nur woher, das will seinem Gedächtnis gerade genauso wenig einfallen wie unserem. Eine Sache ist allerdings sicher abrufbar: er weiß, dass Kalli ihm irgendwann mal einen Schnaps ausgegeben hat. Und Kalli erinnert sich an des Skippers Shorts. Na dann – wenn das keine belastbaren Verbindungen sind. Vorab sei schon mal verraten: wir haben es – gemeinsam mit „Ameli“ – noch rausbekommen. Sogar belegt durch damals von mir geknipste Fotos: es war am 10. August 2025 in Skanör! Bei unserem nächsten Treff werden wir uns jetzt auf jeden Fall an Silke und Karsten mit ihrer „Ameli“ erinnern. Euch weiterhin eine gute Reise 💁♀️💁♂️


Im Laufe des Tages erreicht uns die freudige Nachricht, daß Ine und Frank mit ihrer „Moderato“ am nächsten Tag auch Hesnæs anlaufen wollen. Also schnell den Platz neben uns reserviert.



Und dann aber unbedingt einen Spaziergang durch den kleinen Ort machen. Hier gibt es zwar leider weder Bäcker noch Lebensmittel oder irgendein anderes Geschäft, aber ungewöhnliche Häuser, die es wert sind, angeschaut zu werden. Die „Hesnæs-Häuser“ sind nämlich für ihre außergewöhnliche Bauweise bekannt: neben klassischen Reetdächern sind auch die Außenwände komplett mit Reet verkleidet.
Die alten Fachwerkhäuser wurden nach einer verheerenden Sturmflut 1872 erbaut, um die örtlichen Fischer und Waldarbeiter unterzubringen. Die ursprünglichen Lehmhäuser wurden fast alle zerstört und es wurde auf schnell verfügbare Naturmaterialien zurückgegriffen. Der Architekt Christen Gotfred Tvede (07.10.1863-30.12.1947), der Sohn des ursprünglichen Erbauers der Häuser, führte die Reetverkleidung an den Wänden ein, um einen essentiellen Schutz gegen den rauen Ostseewind zu schaffen. Diese spezielle Bauweise ist absolut einmalig in Dänemark und prägt das dörfliche Milieu des kleinen Hafenortes. Viele der historischen Fischerhäuser werden heute noch liebevoll erhalten und restauriert.







Langsam füllt sich der Hafen. Offenbar haben viele Segler die frohe Wiedereröffnungsbotschaft gelesen… oder sie haben beim Vorbeisegeln Masten im Hafen entdeckt und gedacht: „Oh, das schauen wir uns an und legen uns einfach mal dazu.“ Am Nachmittag sind jedenfalls viele Plätze belegt. Gut, dass wir für „Moderato“ einen Platz gebloggt haben. Keine Sorge: für andere Schiffe ist noch genügend Platz. Wir wollten Ine und Frank eben nur gerne direkt neben uns haben. Hat geklappt 👏 Dann noch schnell ein Brot gebacken, nach einem Rezept von Andrea… danke dafür! Und wenn wir schon mal so herrlich viel Platz direkt vorm Schiff haben, wird dieser natürlich umgehend in Besitz genommen. „Moderato“ liegt inzwischen neben uns und die Männer schleppen einen der Grilltische in Position, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Was für ein herrlicher Abend.










Unsere nächste Etappe, nach Gedser – ganz unten an der Südspitze Falsters gelegen, ist schnell erledigt, und schon bei der Hafeneinfahrt reiben wir uns verwundert die Augen: fast leer. Nur ein paar Gästeschiffe, der Rest offenbar einheimische Festlieger. Und auch im Laufe des Tages füllt sich der Hafen höchstens zu einem Drittel. Sehr seltsam 🤔. Freunde berichten uns, dass aktuell der Hafen von Bagenkop (an der Südspitze von Langeland gelegen) brechend voll ist. So hatten wir das hier auch erwartet. Erst recht nach unseren Erfahrungen von Klintholm. Kann uns aber beides egal sein – freie Auswahl ist schließlich in letzter Zeit selten genug.










Nach einem gemeinsamen Brauereibesuch (im Købmansgarden) heißt es nun leider Abschied nehmen von Ine und Frank. Für die beiden geht es westwärts nach Maasholm, für uns südwärts, erstmal nach Warnemünde. Das geplante Nachfüllen unseres Dieseltanks scheitert leider an einer nicht verfügbaren dänischen Bezahlkarte. Wieso funktioniert hier nicht eine allgemeine Kreditkarte? 🤷♀️ Egal… Tank ist eigentlich auch noch voll genug.
Die Überfahrt nach Warnemünde liefert alles im Wechsel: ein Stück motoren, dann endlich segeln, später wieder Motor an – der Wind kann sich heute offenbar nicht recht entscheiden. Dabei müssen wir die Kadetrinne bzw. die sie passierenden Frachtschiffe genau im Auge behalten. Da die Kadetrinne sehr schmal und verhältnismäßig flach ist, muss sie von tiefgängigen Schiffen sehr exakt durchfahren werden. Sie ist das schwierigste und gefährlichste Fahrwasser der Ostsee und zählt gleichzeitig zu den meistbefahrenen Seewegen Europas. Wir müssen sie auf dem kürzesten Weg queren und dürfen dabei die Großschifffahrt nicht behindern… sie könnte hier nicht ausweichen, selbst, wenn sie wollte. Da es dabei aber mehr oder weniger geradeaus geht, und aktuell auch kaum Verkehr auf dem Seeweg herrscht, kann ich noch schnell ein letztes Häkelprojekt erstellen: ein Frosch entsteht.



Da wir den Hafen „Mittelmole“, am Westufer der Warnow gelegen, noch nicht kennen und uns erzählt wurde, dass es dort eher eng zugehen soll, wählen wir als Anlaufhafen Warnemündes die sichere Variante und laufen die „Hafenresidenz Hohe Düne“, östlich der Warnow gelegen, an. Platz gibt es dort reichlich: der Hafen ist riesig, die Gassen zwischen den Stegen angenehm breit, das Manövrieren völlig entspannt. Damit ist die Liste der Pluspunkte allerdings leider auch schon ziemlich vollständig. Beim Hafenmeister folgt dann der eigentliche Paukenschlag: die Liegegebühr liegt mehr als 30 Prozent über dem bisher teuersten Hafen unserer diesjährigen Reise. Bitte was? Und als wäre das noch nicht genug, kommt die Zugabe gleich hinterher: Strom ist inklusive – Wasser kostet extra, Duschen kosten extra, und das Sanitärgebäude liegt auch noch gute fünf Minuten Fußweg entfernt. Da sollte man seine Bedürfnisse besser vorausschauend planen. Oder direkt das Fahrrad startklar machen 🤨 Für uns ist „Hohe Düne“ damit vorerst aus zukünftigen Törnplanungen gestrichen. Zu teuer, zu wenig Leistung – und die ganze Anlage wirkt obendrein erstaunlich leblos und nur mäßig gepflegt.


Früher bekam man mit der Hafengebühr immerhin noch ein Ticket für die kleine Fähre über die Warnow dazu – hinüber auf die andere Seite, zu Restaurants, Läden und dem Alten Strom. Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute bleibt nur die Autofähre, die zwar regelmäßig übersetzt, aber natürlich ebenfalls extra kostet. Wir lassen uns davon aber nicht abschrecken und fahren rüber. Die Begeisterung hält allerdings nicht lange: es ist voll, laut und wuselig, Menschen schieben sich dicht gedrängt an der Mole entlang, die kleinen Geschäfte bieten gefühlt überall denselben Krimskrams an – und die Möwen benehmen sich, als hätten sie hier Hausrecht. Fischbrötchen gekauft – sicher im Rucksack verstaut – und dann lieber schnell wieder zurück. Immerhin nutzen wir die Gelegenheit noch, uns den Hafen „Mittelmole“ aus der Nähe anzuschauen, falls wir dort irgendwann doch einmal festmachen wollen. Auf den ersten Blick sieht er gar nicht so eng aus, wie befürchtet – vermutlich würden wir dort ganz gut hineinpassen. Gut zu wissen. Live anschauen ist halt immer noch besser, als nur im Hafenhandbuch zu blättern.








Da die Windvorhersage uns freundlich, aber bestimmt mitteilt, dass östlicher Wind nur noch zwei Tage im Angebot ist, beschließen wir: Kühlungsborn heute, Grömitz morgen. Morgens präsentiert sich der Himmel zunächst in seinem schönsten Betongrau, inklusive etwas Feuchtigkeit von oben. Das warten wir noch ab. Kaum haben wir den Hafen verlassen, passiert das nächste Ostsee-Phänomen: wir treffen Stegnachbarn aus Grömitz. Ich sag’s ja immer wieder: die Ostsee ist kein Meer, sie ist ein Dorfteich mit Wellengang. Kurzes Hallo an Patrizia und Michael mit ihrer „Pegasus“ 💁♀️💁♂️ 💁🏻♀️💁🏼♂️, dann biegt jeder wieder auf seinen eigenen Kurs ab.


den Fahrweg passieren



In Kühlungsborn folgt dann die nächste Überraschung: die Tankstelle hat nur von 09 bis 11 Uhr geöffnet. 😵💫 Also genau in dem Zeitfenster, in dem wir normalerweise entweder längst unterwegs sind – oder noch gar nicht da. Heute Letzteres: es ist 11:15 Uhr. Ein Anruf im Hafenamt: niemand geht ran. 🤬 In den Tiefen meines Handys finde ich noch eine Mobilnummer, und siehe da, ein echter Mensch nimmt ab! Er bestätigt nüchtern: tanken nur zwischen 09 und 11 Uhr. Als ich ihm erkläre, dass wir morgen früh sehr zeitig starten wollen, kommt die erlösende Antwort: „Na dann kommt mal und macht fest. Bin unterwegs.“ Supi – Dieselgott gefunden! Wir hatten nämlich schon mehrfach einen Tankstopp auf dem Plan, nur immer mit mäßigem Erfolg: in Ystad war die Tankstelle leergetankt, der Hafenmeister wartete auf Nachschub. In Klintholm haben wir es irgendwie erfolgreich verdrängt. In Gedser akzeptierte der Automat offenbar nur eine ganz spezielle dänische Geheimkarte, und ein Hafenmeister war weit und breit nicht zu sehen. 🤷♀️ Hohe Düne? Nein danke, die bekommen nicht noch mehr Geld von uns. Kühlungsborn dagegen: Treffer! Endlich!



Dann finden wir auch noch einen prima Liegeplatz – und die zweite gute Nachricht des Tages: die Hafengebühr bewegt sich wieder in normaler Umlaufbahn, inklusive Strom, inklusive Wasser und inklusive Duschen. Nach Hohe Düne fühlt sich das fast an wie ein All-inclusive-Urlaub. Hier kommen wir gerne wieder hin.


Später am Tag ist dann alles im Angebot, daher verzichten wir auf einen Spaziergang durch den Ort: erst Gewitter, dann Regen, danach versöhnlicher Sonnenuntergang


Hafenmeister-Domizil

Leider macht uns die Windvorhersage für den letzten Schlag noch einmal sehr deutlich: Ausschlafen ist gestrichen. Und zwar nicht nur ein bisschen. Wecker um 04 Uhr 🥱 – eine Uhrzeit, die selbst für unsere Begriffe früh ist. Also Kaffee trinken, Schiff klarmachen, Leinen los. Um 05.04 Uhr gleiten wir zum Sonnenaufgang aus Kühlungsborn hinaus – noch etwas müde, aber mit diesem besonderen Kribbeln im Bauch: heute geht es heim.
Über uns hängt die Wettervorhersage wie eine Drohung: heftige Regenschauer und Gewitter sind im Angebot. Genau das, was man auf der letzten Etappe nicht mitten auf der Ostsee braucht. Also nehmen wir das frühe Wetterfenster – natürlich. Früh los ist bei uns ja fast schon Tradition, nur eben diesmal mit extra viel Dramaturgie am Himmel. Und tatsächlich: unsere Entscheidung passt perfekt. Als das Gewitter heranzieht, haben wir seine Zugbahn bereits gekreuzt. Hinter uns wird es dunkel und grummelig, vor uns bleibt der Weg frei. Der angekündigte Starkregen schafft es nur noch als harmloser Niesel bis zu uns – eher ein feuchter Gruß als ein ernsthafter Angriff.






Und dann liegt Grömitz vor uns. Heimathafen! Plötzlich ist alles vertraut: die Ansteuerung, die Masten, die Stege, dieses Gefühl von „gleich sind wir da“. Wir laufen entspannt ein – und als wäre das nicht schon genug, hat der Hafenmeister tatsächlich unseren angestammten Liegeplatz rechtzeitig freigezaubert. Festmachen, durchatmen, Einlaufdrink genießen. Da sind wir wieder. Etwas müde, aber heile zurück und mit einem, trotz aller unvorhergesehenen Dinge, doch recht schönen Törn im Kielwasser.






Mir fällt es allerdings im Moment noch etwas schwer, diese Reise – immerhin knapp 850sm – einfach nur positiv zu bewerten. Zu sehr bin ich noch etwas traurig, viel früher zurückgekehrt zu sein, als wir es geplant und uns gewünscht hatten. Eigentlich wären wir jetzt ganz woanders, deutlich weiter nördlich, länger unterwegs, mit noch vielen Seemeilen, Ankerbuchten, Häfen und Eindrücken vor uns. Stattdessen liegt Pilgrim wieder am vertrauten Platz – sicher vertäut, aber eben auch viel zu früh.
Gleichzeitig sind wir froh, dass wir heile zurück sind. Das ist am Ende das Wichtigste – auch wenn sich diese Erkenntnis gerade noch ein bisschen mit Enttäuschung mischt. Vielleicht braucht es – bei mir – einfach etwas Abstand, bis die schönen Momente wieder mehr Raum bekommen: die netten Begegnungen unterwegs, die kleinen Zufälle, die stillen Morgenstunden, die immer wieder beeindruckende Landschaft und all die Häfen, die uns gut aufgenommen haben. Vielleicht kommt die positive Bewertung dieser Reise also noch. Jetzt gerade ist es vor allem eines: ein Reiseende mit etwas Wehmut und dem leisen Wunsch, irgendwann noch einmal dort weiterzumachen, wo wir diesmal abbrechen mussten.


Jetzt müssen wir uns zuvorderst mit der Werft abstimmen – und zugleich für uns selbst klären, wann die finale Reparatur am sinnvollsten ist: möglichst bald oder erst im Winterlager. Eigentlich lief bisher ja alles erstaunlich gut. Aber wenn wir es jetzt erledigen lassen, bedeutet das: zur Werft fahren, abriggen – also Segel runter, sämtliche Leinen vom Cockpit bis zum Mast einholen, Baum und Mast legen – reparieren lassen, anschließend den Mast wieder stellen, alle Leinen zurück an ihren Platz, Segel wieder anschlagen… und das Ganze nur, um vielleicht noch vier bis fünf Wochen im Wasser zu bleiben und eventuell noch einmal loszukommen. Danach ginge es erneut zur Werft, wieder abriggen (siehe Text weiter oben) und dann endgültig ab ins Winterlager. Hmm 🤔 … wir überlegen noch.
Neben der Frage nach der endgültigen Reparatur des Rumpfschadens beschäftigt uns inzwischen noch ein weiteres, deutlich dringlicheres Thema: unser Boiler. Nach der Frühjahrsinspektion hatte es bereits mehrere Probleme gegeben, die eine Nacharbeit der Werft erforderlich machten – Undichtigkeit, kein Aufheizen, alles Dinge, die an Bord nicht einfach nur lästig sind, sondern zuverlässig funktionieren müssen. Nun zeigt sich seit einiger Zeit erneut eine Undichtigkeit. Das Problem: wir können die genaue Stelle nicht eindeutig lokalisieren. Der Bereich unter dem Boiler ist so eng und schlecht zugänglich, dass wir an die vermutete Ursache schlicht nicht herankommen. Vielleicht ist nur eine Schelle locker. Vielleicht nur eine Dichtung nicht ganz OK? Man müsste dafür beinahe ein Schlangenmensch sein. Und natürlich genau wissen, wo man Hand anlegen muss. Bestimmt hat die Werft genau so jemanden.
Das Verhalten des Boilers ist dabei besonders tückisch: solange er warm ist – entweder nach einer Motorfahrt oder durch das Heizen mit Landstrom – bleibt alles trocken. Sobald er jedoch langsam abkühlt – etwa ohne Landstrom oder beim Ankern – beginnt er wieder zu tropfen. Nicht in großen Mengen, aber stetig. Und genau das macht die Sache ernst. Es ist kein spektakulärer Schaden, den man sofort sieht, sondern ein schleichendes Problem, das zuverlässig wiederkommt… und ja vielleicht auch größer wird. Besonders Kalli ist über diese Situation heftig genervt und auch besorgt. Ich glaube, es sind bei ihm noch einige graue Haare hinzugekommen. Im Moment behelfen wir uns mit einer Übergangslösung: ein Gefäß unter dem Boiler, saugfähige Tücher darunter, nach dem Wasserzapfen die Pumpe ausschalten und den Wasserdruck ablassen. Das ist machbar, aber auf Dauer keine Lösung. Vor allem bleibt die entscheidende Frage: was passiert, wenn wir nach Hause fahren und das Schiff unbeaufsichtigt ohne Landstrom im Hafen liegt? Dann kühlt das Boilerwasser ab – und genau dann beginnt das Tropfen wieder. Dieses Risiko wollen und können wir nicht einfach aussitzen. Deshalb muss jetzt eine verlässliche Lösung her. Mit der Werft steht also ein ernstes Gespräch an.



Wann nun weitere Berichte folgen, ist noch unklar. Aber sie kommen…
Bis dahin… 💁♀️💁♂️
Stay tuned und keep watching






