18. – 24. Mai 2026
Ystad – Simrishamn – Hanö – Utklippan – Kristianopel – Kalmar
Heute ist Hafentag! Nach der gestrigen langen Etappe gönnen wir uns eine Ruhepause. Und außerdem haben wir wichtige Termin: ein Besuch unseres Lieblings-Schiffsausstatters muss unbedingt sein! Und unser Kühlschrank ruft nach einigen frischen Lebensmitteln. Aber erstmal gaaanz gemütlich im Cockpit Kaffee trinken. Schließlich ist ja Urlaub! Und die Sonne scheint. Herrlich… so könnte es bleiben. Und damit es sich auch wirklich wie Urlaub anfühlt, klettert das Thermometer auf 18°C ☀️
Nach einem entspannten Tagesbeginn schultern wir unsere Rucksäcke und wandern in’s Städtchen. Ulli ist Teil unserer 3er-Wandergruppe. Erste Station: natürlich der Skeppshandel. Und? Wie sollte es anders sein? Er hat, was wir brauchen – oder jedenfalls meinen zu brauchen. Und eine Jacke darf auch mit und verschwindet schnell im Rucksack. Dann schlendern wir weiter durch den Ort. Alles ist noch ein wenig in vorsommerlicher Ruhe begriffen. Noch angenehm wenige Touristen trendeln durch die Haupteinkaufsstrasse „Stora Östergatan“. Ein paar bunte Fähnchen… einige Blumenkübel… so kennen und lieben wir das. Schon bald erreichen wir „Per Helsas Gård“, ein kleines Gartenlokal am Ende der Fußgängerzone, gut versteckt in einem Hinterhof. Doch wir haben es gefunden und genießen Bier, Eis und Cappuccino. Das Eis übrigens garniert mit Salzlakritz-Sauce 😋 – Gruß an Mathias 💁♀️. Auch dieser Besuch ist ein Muss in Ystad.





Dann aber endlich Lebensmittel einkaufen und zurück auf’s Schiff. Doch so einfach ist das nicht: mal wieder ruft ein Wolle-Geschäft nach mir. Irgendwie kann ich da nicht dran vorbeigehen. Ich habe zwar verschiedene Garne für unterschiedliche Strick-Projekte an Bord, doch da es aktuell unterwegs auf dem Wasser meist noch recht kalt ist, könnte ich mir noch schnell einen kleinen „Sophie-Scarf“ stricken (= ein schmaler, spitz zulaufender Minischal. Er wird einfach kraus rechts gestrickt, hat aber speziell gestrickte Ränder, die ihn trotz des einfachen Musters etwas edler aussehen lassen.) Was soll ich sagen: ich finde interessante Wolle 🤷♀️🧶

Ein neuer Tag (Dienstag, 19. Mai), eine neue Etappe. Kalli hat allerdings so garkeine Lust… nach dem zweiten Kaffee ist das mentale Tief aber bewältigt. Wir legen ab. Leider kaum Wind, es wird eine Motorfahrt. Auch für später am Nachmittag ist kaum Wind angesagt. Egal, wir tuckern los und umrunden die südliche Küste Schwedens. Erst hatten wir überlegt, unterwegs Kåseberga nochmal anzulaufen. Unser letzter Besuch des berühmten „Schwedischen Stonehenge“ oberhalb des kleinen Hafens ist nämlich schon einige Zeit her. Doch wir fahren weiter. Das über 1.400 Jahre alte Monument „Ales Stenar“ mit 59 senkrecht stehenden Steine ist die größte erhaltenen Schiffssetzung in Schweden und wir können sie bei der Vorbeifahrt oben auf den Klippen sehen. Bestimmt sind sie auf unserer Rückreise auch noch da😉… vielleicht passt es dann.







Simrishamn laufen wir „eigentlich“ nur an, da es hier einen fantastischen Fischhändler gibt. Und was soll ich sagen? Kaum festgemacht führt uns der Weg direkt zu „Sjöfolket“ und mit reicher Beute zurück an Bord. Wir freuen uns auf ein abendliches Festmahl: frisch geräucherter Fisch und frisches Brot aus Ystad. Alles saulecker!






Später laufen natürlich noch mehrere Segler ein und einer fährt ganz dicht an unserem Steg vorbei, um dann eine freie Box besser ansteuern zu können. Plötzlich wird er abrupt abgestoppt. Irgendetwas unter Wasser behindert seine Weiterfahrt. Doch er setzt etwas zurück, hält mehr Abstand zum Steg und steuert dann den freien Liegeplatz an. Seltsam. Bei genauerem Hinschauen entdecke ich den Grund des Übels: unser Steg – ein Schwimmsteg – ist an seinem Ende mit kräftigen Tauen am Grund verankert. Irgendwie muss er ja seine Position halten. Doch diese Taue verlaufen so lange schräg und flach unter der Wasseroberfläche, dass der eben eingelaufene Segler mit seinem Kiel an dieser Abspannung hängengeblieben ist. Glücklicherweise hat Skippers Ehefrau wegen der Vorbereitung des Anlegemanövers nicht grade am Bug gestanden, sonst wäre sie bei dem unvorhergesehenen Stopp sicherlich Kopf voran über Bord gegangen. Das muss doch kenntlich gemacht werden! Kalli schreibt gleich eine E-Mail an die Hafenbehörde – mit Fotos – und bekommt auch fix Antwort: „Wir prüfen das.“ Naja… da sind wir aber mal gespannt 😏


Nach einer ruhigen Nacht folgt ein „eigentlich“ herrlicher Segeltag! Wir rauschen mit halbem Wind und 6,5kn Geschwindigkeit bei anfangs strahlender Sonne gen Hanö. Allerdings: es ist saukalt🥶 Die 11°C Lufttemperatur verwandeln sich bei den herrschenden 4 Bft. in nicht so angenehme 6°C… – Chillfaktor und so. Mütze ist angesagt. Aber immerhin haben wir unterwegs spannende Unterhaltung. Etwas nördlich von Simrishamn befindet sich nämlich ein großes Schießgebiet (Ravlunda) der schwedischen Marine und muss natürlich weiträumig umfahren werden. Auf einer Karte ist das Sperrgebiet deutlich eingezeichnet. Und auch die Schießzeiten und den notwendigen einzuhaltenden Abstand kann man nachlesen… man muss es nur auch tun. Wie in der Kieler Bucht. Wir fühlen uns mit unserem gewählten Kurs auf der sicheren Seite… naja, vielleicht schnippeln wir die Grenze ein wenig. Doch ein Bootfahrer fährt mitten hindurch. Und prompt wird er mehrfach eindringlich von der Marine angefunkt… kümmert sich aber nicht darum. Vermutlich wird ein Sicherungsboot zu ihm geschickt, um ihn aus dem Gefahrenbereich heraus zu komplementieren. So macht das jedenfalls die deutsche Marine am Schießgebiet in der Kieler Bucht (Putlos). Der Bootfahrer ist aber zu weit weg, als dass wir ihn sehen könnten. Nur sein AIS-Signal können wir verfolgen. Uns funkt niemand an. Also sind wir safe. Und bei nochmaliger Kontrolle der Abstandsvorgaben schnippeln wir die Grenze auch garnicht: wir befinden uns weit außerhalb des heute beschossenen Gefahrenbereichs. Man muss halt richtig lesen🤓





Ankunft auf Hanö… und gleich die Qual der Wahl. Alle Liegeplätze frei. Wir lassen die vorherrschende Windrichtung entscheiden und legen uns an bei den angesagten westlichen Winden an die West-Mole mit Blick auf den kleinen Ort. Hier werden wir zwei Nächte bleiben, denn es ist schön hier. Und da wir in kurzer Distanz zur Waschmaschine liegen, nutze ich die Gelegenheit für „ein Kessel Buntes“. Kurze Wege sind heute wichtig, so schaffe ich es zwischen dem einen und dem nächsten Schauer soeben, die fertige Wäsche in den Trockner umzufüllen.






Auf eine größere Wanderung um die Insel verzichten wir in diesem Jahr, das Wetter ist uns zu unbeständig. Die meisten Ecken der kleinen Insel kennen wir auch schon. Aber einmal hoch zum Leuchtturm muss dann doch sein. Von dort aus können wir bis zu den Schären gucken, zwischen denen sich Ulli versteckt hat. Er macht ja immer gerne Strecke, wenn’s grad gut läuft. Aber irgendwo werden wir ihn schon wiedertreffen. Auch andere Segler haben wir inzwischen mehrfach in verschiedenen Häfen wiedergesehen. Alle wollen gen Norden.






Freitag, den 22. Mai beginnen wir mal wieder früh: Ablegen um 06.00 Uhr. Der Wind soll im Laufe des Tages auf eine uns nicht so angenehme Stärke zunehmen, und da wollen wir unser nächstes Ziel, die kleine Schäre Utklippan, einsam vor der Südostküste Schwedens gelegen, schon erreicht haben. Unser Plan geht so ziemlich auf. Nur die letzte halbe Stunde vor Erreichen des Hafens wird es schon etwas ungemütlich. Eine unangenehme Welle läuft hinter uns her und wirft unser Schiff manchmal blöd hin und her. Kommen wir sicher durch die enge Hafeneinfahrt? Es gibt noch eine zweite, auf der gegenüberliegenden Seite der Schäre liegende Einfahrt, denn dieser Hafen diente in früheren Zeiten als Schutzhafen für Fischer. So konnten sie die Einfahrt wählen, die nicht genau Wind und Wellen ausgesetzt war. Aber wir denken, wir können es wagen und so fährt Kalli beherzt die schmale Einfahrt an. Wir schaukeln heftig hin und her… manches Mal läuft das Schiff ein bisschen aus dem Ruder… aber alles geht gut. Sofort hinter der Einfahrt beruhigt sich die Welle und wir fahren ganz entspannt in das leere Hafenbecken. Große Freude! Nicht nur, weil wir heile angekommen sind, auch, weil wir alleine im Hafenbecken liegen. Wir genießen es immer, auf dieser einsam gelegenen Schäre einige Zeit zu verbringen. Natur pur, viele Vögel, einige Seehunde und manchmal halt auch einige Segler.



Diese Felsenansammlung besteht aus zwei größeren Felsen und vielen kleinen Felsen drumherum. Auf dem nördlichen großen Felsen befindet sich das Hafenbecken, auf dem südlichen Felsen der Leuchtturm und einige kleine Holzhütten, die aktuell von mehreren Vogelkundlern genutzt werden. Dies ist ein Paradies für Vogelbeobachtungen. Ich sehe bei der Einfahrt einige große Fotostative aufgebaut und später rudert ein Wissenschaftler auf „unseren“ Felsen, um einige Vogelnetze zu kontrollieren. Es werden hier auch Vögel gezählt und beringt, was natürlich nur funktioniert, wenn sie vorher eingefangen werden.






Nach einiger Zeit läuft unser Freund Ulli ein und das gemeinsame abendliche Grillen ist schnell beschlossen. Ulli serviert selbst gemachten Kartoffelsalat und Würstchen, wir steuern Salat und Getränke bei. Was für ein schöner Abend! Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, in dem kleinen Info-Häuschen einen abgesegelten Grömitz-Wimpel mit Namen und aktuellem Datum aufzuhängen. Und was soll ich sagen? Der Wimpel von unserem letzten Besuch hängt auch noch.









Noch zwei Etappen bis nach Kalmar! Mit herrlichem Segelwind von schräg achtern erreichen wir am nächsten Tag den Kalmarsund. Die Überlegung, nach Grönhögen an der Südspitze Ölands zu gehen, wird verworfen. Die nächsten Tage ist mit mehr Westwind zu rechnen. Der würde genau in den Hafen hineinblasen. Das klingt nach unruhiger Nacht. Folglich bleiben wir an der Festlandküste und steuern Kristianopel an. Die letzten Meilen rauschen wir nur so dahin. Die Sonne strahlt… es fühlt sich langsam wie Sommer an. Eine warme Schicht Kleidung kann schon im Schrank bleiben. Vor dem Hafen haben wir dann plötzlich 20kn Wind = gut 5 Bft. Wer braucht das? 🤷♀️. Unser Schiff läuft auch mit 4 Bft gut voran. Aber der kleine Hafen von Kristianopel liegt gut geschützt und sobald wir ihn erreicht haben, ist quasi Null Wind. Festgemacht und schnell die kurze Hose angezogen! Der kleine Vorplatz am Hafen wimmelt nur so von Menschen… es ist sommerlich warm und Wochenende. Doch wir finden ein Plätzchen auf der kleinen Restaurant-Terrasse und lassen es uns gutgehen: ein kühles Bier und leckeres Eis müssen sein!






Kristianopel ist ein kleiner schwedischer Ort am südlichen Ende des Kalmarsunds und war im 17. Jahrhundert eine strategisch wichtige dänische (!) Stadt im Grenzgebiet zu Schweden. Die am Hafen stehenden Kanonen zeugen noch davon. Die heutige Dreifaltigkeitskirche entstand zwischen 1618 und 1624. Erst 1677 wurde Kristianopel von Schweden erobert.





Für Ulli sind 20kn Wind natürlich wieder genau das richtige und so rauscht er von Utklippan schon weiter gen Kalmar. Wir kommen morgen mit dem vorhergesagten moderaten Westwind nach 💁♀️💁♂️.
Gesagt… getan. Auch heute (Pfingst-Sonntag, 24. Mai) soll der Wind später am Tage wieder ordentlich zulegen, folglich starten wir früh: Ablegen um 07.00Uhr. Und wir sind mal wieder nicht die Ersten. Also segeln wir fast wie in einer kleinen Flottille den Kalmarsund hoch gen Norden. Es ist wieder herrliches segeln! Das Großsegel steht wie eine Eins, kein Reff ist notwendig. Kalli trimmt die Segel mal wieder optimal! Keine blöden Wellen! Die Sonne gibt alles! Ups… schnell noch die Sonnencreme auftragen. Eine ganz neue Tätigkeit.
Das Segeln ist einfach ein Traum. Wir gleiten dahin, als hätten wir den Sund für uns alleine. Der warme Wind streicht über unsere Gesichter und endlich fühlt sich alles nach Sommer an. Die dicken Mützen können getrost im Schrank bleiben. Wir rauschen den Kalmarsund hoch: bei wenig Welle und gleichmäßigem Wind kommt unser Dampfer ganz gut in Fahrt. Kurz vor Kalmar frischt der Wind weiter auf, da sind wir aber schon fast da und müssen eh die Segel bergen. Im Hafen ist zwar viel Platz für Manöver, doch wir erledigen das gerne frühzeitig. Direkt im Hafen ist von dem Wind nichts mehr zu spüren, denn rund um das Hafenbecken stehen große Gebäude… und Ulli, um uns eine Leine anzunehmen👏👏.






Wir haben es geschafft… unsere Hafengebühr zu bezahlen. Sonntags ist das Hafenbüro geschlossen. Eigentlich nicht weiter schlimm, denn in immer mehr Häfen ist es üblich, das entsprechende Entgelt online zu bezahlen. Barcode einscannen, Formular poppt auf, Schiffsgröße angeben, bezahlen, fertig. Quittung mit Eintrittscode für’s Waschhaus und Wlan-Passwort kommen per E-Mail. So weit, so gut. Doch warum muss man den Barcode erst suchen? Warum ist er irgendwo auf dem Fussboden angebracht sein? Warum nicht an der Stromsäule in Höhe der für Bootfahrer vorgesehenen Steckdosen? Seltsam… man muss nicht alles verstehen. Nur durch Zufall entdecken wir die kleine Plakette und können unserer Zahlungsverpflichtung nachkommen. Hafengebühr ist eine Bringeschuld! In kleinen Häfen kostet es manchmal eine höhere Liegegebühr, wenn der Hafenmeister einen Zahlungsverweigerer beim Kontrollgang erwischt. Das soll uns nicht passieren.





Was für ein perfekter Tag – besser könnte es kaum sein! Wir beschließen ihn – wieder mal 🤩 – mit einem echt leckeren gemeinsamen Abendessen im „Stekhuset“ am Hafen!


Hier werden wir wohl einige Tage bleiben. Lebensmittel auffüllen, durch die Stadt spazieren und es uns einfach gut gehen lassen.
Bis dahin… 💁♀️💁♂️
Stay tuned und keep watching






