03. – 12. Juni 2026
Västervik – Lindnäsviken
Es heißt jetzt für uns, geduldig sein. Da es einiges zu organisieren und abzuklären gibt, kommt so schnell keine Langeweile auf. Wir gehören inzwischen schon ein bisschen zur Werft, denn wir haben einen Schlüssel zum Gelände bekommen. Dieses ist nach Arbeitsende natürlich verschlossen und das Sanitärgebäude, in welchem sich unser momentanes Badezimmer befindet, steht natürlich außerhalb des Betriebsgeländes. Haben wir aber fast für uns alleine, denn es sind ja noch kaum Gäste im Hafen. Und wir kennen sowohl einige Mitarbeiter als auch einige Schiffseigner, die hier selber Wartungs-, Reparatur- und Verschönerungsarbeiten durchführen, mit Namen.
Wann wird es denn wohl endlich losgehen? Hoffentlich schon am kommenden Montag! Ist jedenfalls der Plan. Der Werkstattleiter Tobias hält uns auf dem laufenden und organisiert den Fachmann für die GFK-Arbeiten. Und tatsächlich erscheint Patrik am Montag, um den entstandenen Riss auszuschleifen und schon mal mit einer ersten Lage Glasfasermatten zu verschließen.




In unseren Köpfen schwirren derweil verschiedenen Überlegungen umher… vielleicht das Schiff nicht, wie ursprünglich geplant, nach Hause bringen, sondern es hier in Schweden im Winterlager lassen? Dann könnten ganz entspannt die weiteren Reparaturen vorgenommen werden und wir im nächsten Jahr direkt ab (…wo auch immer) unseren Törn weiter gen Norden starten. Das würde die lange Anreise per Schiff sparen. Ja… aber ab wo? Wo bringen wir das Schiff hin, sobald die äußere Reparatur erfolgt ist? Es gibt auch noch andere Werften, nicht nur diese, in der wir jetzt liegen. Recherche ist angesagt.
Wir finden eine Werft ein Stück weiter nördlich, über die es wirklich gute Kritiken gibt. Sowohl von Seglern, die wir persönlich kennen, als auch in der Fachpresse. Klingt alles gut. Also Auto gemietet und hingefahren. Haben ja sonst nichts Wichtiges zu tun, da können wir uns auch den Laden mal anschauen. Und uns vielleicht nochmal mit Ulli treffen, der dort in der Nähe herumsegelt. 😄



Gesagt, getan. Wir fahren die etwa 170km nach Nävekvarn und werden von Mika, dem Betreiber des Winterlagers, freundlich empfangen. Er zeigt uns alles und hat natürlich auch Preise parat. Klingt schon sehr interessant. Sie haben sogar eine beheizte Halle – gut für uns und alles, was an Bord bleiben soll. Aber… wenn da der Umstand mit Heimfahrt, Transport von Dingen, die nicht an Bord bleiben sollen, etc. nicht wäre. Ist schon eine ziemliche „Eierei“. Mit Öffis: kommt nicht in die engere Wahl, wegen der zu transportierenden Dinge; Mietwagen: superteuer, wenn die Rückgabe im Ausland erfolgen soll; auf halber Strecke mit Freunden treffen, die unser Auto mitbringen: kann man nicht wirklich jemandem zumuten… Das kann natürlich auf die Schnelle nicht entschieden werden, daher lieber erstmal mit Ulli treffen.






Wir fahren nochmal 75km weiter nach Trosa. Ein niedliches kleines Hafenstädtchen, dessen Zufahrt uns aber für unser Schiff schon immer etwas zu flach erscheint. Ulli traut sich rein – hat ja auch 10cm weniger Tiefgang als wir 🥴 – und so treffen wir uns dort. Bei einem zünftigen Einlaufdrink bei ihm an Bord berichten wir von unseren Eindrücken der evtl. neuen Winterlager-Werft. Auf eine Wanderung durch den eigentlich sehenswerten kleinen Ort verzichten wir, denn Kalli fehlt ein wenig die Geduld für weitere Ausflüge. Immerhin stehen uns ja noch 230km Rückfahrt bevor.
Stattdessen schlendern wir in aller Ruhe nur an der hübschen Promenade entlang, gönnen uns ein köstliches Eis und genießen das Treiben am Wasser. Alles ist entspannt, die Stimmung locker, und wir lassen uns mit einer Portion Gelassenheit von der gemütlichen Atmosphäre anstecken. Die kleine Auszeit tut gut, auch wenn wir die malerische Altstadt dieses Mal links liegen lassen. Müssen uns wohl doch irgendwann mal mit dem Schiff durch die schmale Fahrrinne reinschleichen. Um Geschmack auf einen Besuch zu machen, schickt uns Ulli später noch einige Fotos von seinem Spaziergang durch den Ort. Lieben Dank dafür!




Hier im Anschluß die Fotos von Ulli… ist wohl wirklich nett in Trosa






Der Abschied von Ulli ist jetzt für länger😥 Wir fahren zurück zum Schiff. Die (Schnell-) Straßen sind zwar gut befahrbar, aber es geht halt auch gemütlich voran: max 110 km/h ist angesagt, und bitte nicht ein Fitzelchen mehr! In Schweden werden auch ganz geringe Geschwindigkeitsüberschreitungen geahndet… und wer will schon zur Fika im Polizeirevier sitzen? Also lieber das Gaspedal streicheln statt durchtreten, sonst landet man schneller im schwedischen Verkehrsregister als im nächsten Hafen. Unser gemietetes Auto unterstützt uns dabei: es erkennt die Geschwindigkeitsvorgaben und paßt sich selber an. Es regelt das Tempo nicht nur runter… es gibt auch wieder Gas, wenn’s erlaubt ist 👍

Nach vielem Abwägen der Fürs und Widers begraben wir den Gedanken an ein schwedisches Winterlager und entscheiden uns für eine gemütliche Heimfahrt in unser bekanntes und bewährtes Winterlager in Deutschland. Trotz kleinerer Diskrepanzen und Mängel… wir wissen, was wir an ihnen haben und was sie können. Und mit der Einwinterung und dem Ausräumen des Schiffes ist das alles vieeeel einfacher.
Die Reparatur unseres Kielschadens schreitet voran. Jeden Tag verändert sich unser Unterwasserschiff ein wenig und wir freuen uns drauf, bald wieder einen schwimmenden Untersatz zu bewohnen. Unsere Heimatwerft, der wir Fotos von den durchgeführten Arbeiten geschickt haben, bestätigt uns: was hier gemacht wird, macht einen professionellen Eindruck! „Damit könnt ihr unbesorgt die Heimfahrt antreten“.




Nicht nur, weil die Reparatur voranschreitet, sondern auch, weil uns der frühmorgendliche Werftbetrieb etwas nervt, können wir es kaum erwarten, dass bald alles fertig wird. Jetzt wird auch noch am Nachbarschiff, einer kleinen Schärenfähre, das komplette Unterwasserschiff gesandstrahlt. Der Stahlrumpf ist ziemlich rostig und löcherig. Ojeh… was für ein Staub und Krach vom Kompressor. Glücklicherweise kommt meist der Wind aus einer Richtung, die nicht allen Dreck auf unser Schiff weht. Okay… rund um die Fähre sind Abdeckplanen gespannt, damit der Staub nicht umherfliegt. Aber irgendwie haben sie vergessen, das dem feinen Staub auch mitzuteilen. Er hält sich einfach nicht daran und fliegt durch die kleinsten Ritzen überall umher. Ehrlich, nach einer Woche wissen wir genau, wie sich eine Schiffswerft anhört – und das schon ab morgens um 06.45h. Die Aussicht auf Ruhe und ein sauberes Schiff motiviert uns fast noch mehr als das reparierte Unterwasserschiff.
Zwischendurch vertreiben wir uns die Zeit mit Erkundungstouren durchs Städtchen – dabei stolpere ich nochmal über ein Knäuel Wolle zum Basteln, falls die Werft mich länger zum Stricken treibt.

Natürlich gibt’s auch Fika beim Bäcker, denn Kuchen ist schließlich ein Grundnahrungsmittel, und bei einem Plausch mit anderen Leidensgenossen werden die Geschichten immer bunter. Kerstin und Thomas hatten letztes Jahr einen ähnlich steinigen Weg. Ein Fels hat ihrem Schiff die Zähne gezeigt. Plötzlich lag er auf der falschen Seite des Fahrwassers… oder waren sie selbst auf der falschen Seite 😵💫 Das Schiff musste damals erstmal in der Werft bleiben, denn neben dem kosmetischen Schaden gab‘s auch ein paar strukturelle Dellen. Mittlerweile ist alles repariert und das Boot schwimmt wieder. Allerdings hat die Elektrik noch ihren eigenen Kopf und spielt quasi „Licht an, Licht aus“. Ein bisschen Nachschrauben, Kabel tauschen, Anschlüsse prüfen, dann starten sie ihre Reise Richtung Norden, durch den Götakanal und dann heim gen Deutschland. Hoffentlich gibt‘s nicht noch weitere Überraschungen! Wir wünschen Euch eine gute Reise und hoffentlich sieht man sich mal wieder 💁♀️💁♂️
Es ist endlich soweit: Reparatur fertig! Pilgrim kommt wieder ins Wasser!
Dabei ist es spannend anzuschauen, wie das Schiff von seinem Standplatz zum Wasser transportiert wird. Man gut, dass die Mitarbeiter jahrelange Erfahrung haben… uns ist dabei ziemlich mulmig zumute.

Bevor das Schiff auf den Transportwagen kommt, heißt es: 8 von 10 Stützen, die bisher das Schiff in Position gehalten haben, kommen weg – das Schiff steht stolz nur noch auf dem Kiel (und den zwei hinteren Stützen als letzte Sicherheitsreserve). Oh, oh… und das hält? 😳 Der Transportwagen rollt langsam heran. Jetzt wird’s spannend: Hält das wirklich? Die Fachleute sagen: ja, denn der Kiel trägt das Hauptgewicht. Solange das Boot richtig platziert ist und Hans (der Transportwagen-Fahrer) seine jahrzehntelange Erfahrung richtig einsetzt, bleibt alles im grünen Bereich – auch wenn beim Zuschauen ein wenig die Nerven flattern. Die vielen Stützen haben übrigens einen bleibenden Eindruck hinterlassen… 14 Tonnen sind eben kein Pappenstiel. Doch bevor Pilgrim nun endlich wieder in sein gewohntes Element gesetzt wird ruft Hans: „Hey, kommst Du grad erst mal mit ins Büro?“ Ist ja klar… erst bezahlen, dann ins Wasser. Muss ja alles seine Ordnung haben, bevor es weitergehen kann.



Und dann geht alles ganz schnell: von den Stützen auf den Wagen umgeladen, von dem Wagen in den Travellift gefahren, mit dem Travellift, in Gurten hängend, ins Wasser transportiert. Motor an und eine kleine Runde bis an den Liegeplatz. Hat alles geklappt… und es kommt kein Wasser ins Schiff! Alles dicht!



Am Liegeplatz schnappen wir uns erstmal den Wasserschlauch und befreien Pilgrim von einer dünnen Staubschicht. Und auch das eine oder andere kleine Steinchen verschwindet von Deck… das wurde auch Zeit.



Wir schwimmen wieder! Ist das herrlich. Das sanfte Plätschern um unser Schiff und das leichte Schaukeln im Rhythmus der Wellen sind wie Musik nach all den Werfttagen. Die Aussicht hat sich verwandelt – statt auf das karge Werftgebäude mit dem ewig klappernden Fahnenmast am Giebel blicken wir nun auf glitzerndes Wasser, Sonnenreflexe und den weiten Himmel. Der Arbeitslärm ist nur noch eine ferne Erinnerung; jetzt ist es ruhig, friedlich, und Pilgrim liegt wie neu geboren in seinem Element. Und der klappernde Fahnenmast am Steg gibt nach einer kurzen Behandlung meinerseits auch bald Ruhe.

Mit jeder Brise, die über das Deck streicht, wächst die Vorfreude auf das Ablegen zur ersten Fahrt. Es fühlt sich an, als würde das Schiff selbst den Aufbruch kaum erwarten: voller Tatendrang, bereit für neue Abenteuer und Begegnungen. Die Reise startet wieder, und das Wasser trägt uns hinaus zu weiteren Erlebnissen.
Nach einem abendlichen Abschiedstrunk mit Kerstin und Thomas geht es für uns vier am nächsten morgen (Freitag, 12. Juni) auf die Reise: für „Windspiel“ zeigt der Kurs gen Norden, der Kurs von „Pilgrim“ zeigt gen Süden. Für uns ist der wenige Wind, aktuell direkt von vorne, zwar nicht gerade ideal, aber für den ersten Tag so weit ok. Wir schlängeln uns durch die Felsen und bald ist wieder ein wenig Zutrauen da: wir fahren in eine Ankerbucht! Gaaanz vorsichtig. SXK-Tonne frei, angelegt, und die Umgebung und die Ruhe genießen.











Der Wind frischt ein wenig auf – hätte er ja ruhig schon etwas eher tun können – und so ruckt das Schiff immer mal in seine Ankerleine. Es zerrt ordentlich an der blauen Boje. Sie hält – natürlich. Und es sind ja auch immer nur kurze Böen, die uns hin und her schwojen lassen. Doch bald ist auch das vorüber und wir liegen alle ganz friedlich… das Schiff im Wasser und wir im Cockpit. Ein Nickerchen muss sein🥱. Frische Luft macht müde. Und es stört uns auch nicht, dass sich noch zwei weitere Schiffe zu uns in die Bucht legen. Sie ist schließlich groß genug.
Der Kuckuck, dessen Rufe uns bereits bei unserem Aufenthalt vor zwei Wochen hier aufgefallen sind, macht sich auch jetzt weithin hörbar bemerkbar. Oder sind es zwei? Oder gar drei?

Seele baumeln lassen und dann Pläne für die nächsten Tage machen. Vielleicht rüber nach Öland? Wir werden sehen, was uns der Wind am nächsten Morgen vorgibt. Gute Nacht.
Bis dahin… 💁♀️💁♂️
Stay tuned und keep watching






