Schnellreparatur Boiler und dann mal schau‘n (Grömitz und Großenbrode)

19. Juli – 16. August 2026

Grömitz – Großenbrode – Grömitz

So schnell kann es gehen … wir sind tatsächlich schon wieder unterwegs. Zunächst führt uns der Kurs allerdings nur nach Großenbrode in unsere Winterlager-Werft. Dort nimmt sich das dortige Team unseres tropfenden Boilers an – mit fachkundigem Blick, schlanken Händen und erstaunlicher Beweglichkeit arbeitet sich ein Mitarbeiter bis zur entscheidenden Stelle vor und lokalisiert den Fehler… sofort. Top! Die Ursache liegt sehr wahrscheinlich an der Abdichtung des Heizstabes. Interessanterweise verstärkt sich die Leckage, sobald die Verschraubung fester angezogen wird; wird sie hingegen leicht gelöst, reduziert sich das Tropfen. Ein klarer Hinweis darauf, dass die Dichtung nicht sauber sitzt oder bereits beschädigt ist.

Also baut er die Dichtung aus und ersetzt vorsorglich auch gleich den Heizstab. Die Diagnose des ganzen Boiler-Hin-und-Hers fällt damit ziemlich eindeutig aus – und wirft leider kein besonders gutes Licht auf die vorangegangene Boilerwartung im Winterlager. Offenbar wurde nach der Wartung und Entkalkung des gesamten Boilers beim wieder Einsetzen des Heizstabes nicht nur eine unpassende Dichtung verwendet, sondern diese auch noch gequetscht. Zusätzlich scheint der Heizstab dabei mechanisch in Mitleidenschaft gezogen und verbogen worden zu sein. Technisch betrachtet ist letzteres wahrscheinlich nicht dramatisch – er hat ja weiterhin das Wasser erhitzt – sollte aber so nicht sein 🥴.

Was haben wir daraus gelernt: eine unscheinbare Dichtung entscheidet über trockene Bilge oder langwieriges Tropfen-Drama. Gut bei der ganzen Aktion ist, dass wir einen Ersatzheizstab inkl. Dichtung an Bord hatten. Es lebe unser Ersatzteile-Fundus! Die passende Dichtung für unseren Boiler war nämlich bei der Werft grad nicht am Lager und hätte bestellt werden müssen. Jetzt könnte der eine oder andere sagen: „Heizstab und Dichtung hättet ihr doch selber austauschen können. Wo ihr sie doch sogar an Bord hattet.“ Stimmt. Wenn denn vorher klar gewesen wäre, dass es wirklich daran liegt. Doch es ist ziemlich fummelig, an die entsprechende Stelle dranzukommen und auf Verdacht muss das nicht sein. Und außerdem: soll sich doch bitte derjenige in die Bilge quetschen, der den ganzen Quatsch verbockt hat. Anschließend beginnt der eigentlich nervenaufreibende Teil – vor allem für Kalli: das Warten. Tropft der Boiler noch? Meldet sich die Frischwasserpumpe plötzlich wieder ohne jeden Anlass? Selbst nachts findet Kalli kaum Ruhe. Zugegeben, stürmischer Wind und knarzende Leinen tragen ihren Teil dazu bei. Aber in dieser Nacht drehen sich seine Gedanken vor allem um eine Frage: war die Boiler-Reparatur erfolgreich? 🙇‍♂️🤔

Am Morgen dann der Moment der Wahrheit: ein vorsichtiger Blick in die Bilge – und tatsächlich, kein einziger Tropfen auf den ausgelegten Papiertüchern! Große Erleichterung an Bord. Auch der Mitarbeiter mit den heilenden Händen (er sei hier besonders erwähnt: nochmal vielen Dank an David) schaut noch einmal vorbei und erkundigt sich nach dem Ergebnis seiner gestrigen Arbeit. Kümmern mit Sternchen!

Bezüglich unseres Kielschadens kann der erfahrenste Bootsbauer im Werft-Team leider nicht die Gelegenheit wahrnehmen, zu uns mal ins Schiff zu kriechen… er hat noch einige Tage Urlaub. Aber anschließend kommt er dann nach Grömitz! Davon später.

Wir können uns also wieder auf den Weg in unseren Heimathafen begeben, nachdem die dunklen Wolken mit heftigen Böen und ein wenig Regen durchgezogen sind.

Ach übrigens: unser Bug hat in diesem Jahr erstaunlich wenige Hafenquittungen aufzuweisen. Diese bunten Anhängsel zu sammeln war bisher irgendwie nett anzusehen – je mehr am Schiff klebten oder baumelten, desto weitgereister sah man aus. Inzwischen zahlt man in den meisten Häfen online, bekommt brav eine digitale Bestätigung und der Bug geht leer aus. Schade für die Optik, aber irgendwie auch praktisch. 🤷‍♀️

Dann rückt der Bootsbauer an – bestens ausgerüstet mit Endoskop, Kamera und der Entschlossenheit, auch die verborgensten Winkel unserer Bilge kennenzulernen. Kurz darauf verschwindet er halb im Schiff und inspiziert nicht nur den Bereich rund um den Kiel, sondern auch gleich die umliegenden Stauräume. Für mich ist das die perfekte Gelegenheit, endlich einmal genau dort Ordnung zu schaffen, wo man sonst nur sehr gezielt hingreift: unsere dort gebunkerten Lebensmittel ziehen aus, Staub und Krümel müssen gehen, und anschließend wird alles wieder ordentlich eingeräumt. Inventur inklusive. Theoretisch könnte man das natürlich regelmäßig machen. Praktisch macht man es genau dann, wenn ein Bootsbauer kopfüber in der Bilge steckt. Jetzt ist jedenfalls alles wieder clean. 🧽

Es wird geklopft, geschaut, wieder geklopft, gekratzt – und wir lauschen jedem Geräusch, als hinge unsere weitere Saison genau an diesem Moment. Schließlich taucht der Bootsbauer wieder aus den Tiefen der Bilge auf. Sein Gesichtsausdruck verrät zunächst noch gar nichts: eher „ich sortiere meine Gedanken“ als „alles halb so wild“. 😬 Dann endlich die erlösenden Worte: keine Risse. Nicht einmal feine. Aus seiner Sicht spricht nichts gegen ein umsichtiges Weitersegeln. Tschakka! Ich hab’s doch gleich gesagt: wir haben ein stabiles Schiff. Natürlich müssen die Außenarbeiten am Rumpf im Winterlager noch einmal sauber nachgearbeitet werden; ob zusätzlich weitere Schichten etwas großflächiger aufgebracht werden müssen, zeigt sich erst, wenn das Schiff aus dem Wasser kommt. Aber für den Moment ist das die bestmögliche Nachricht – und eine, die vermutlich auch die Versicherung deutlich entspannter stimmen dürfte. Vor allem: alles besser, als wenn der Kiel abmontiert werden müsste. Keine gut fünfstelligen Euro-Beträge. Kein großes Drama. Erstmal durchatmen.

Nach dieser Nachricht fällt spürbar Anspannung von Bord. Also machen wir genau das, wofür wir eigentlich hier sind: wir genießen ein paar wunderbare Sommerschläge vor Grömitz. Der Wind zeigt sich von seiner freundlichen Seite, moderat und zuverlässig, die Ostsee glitzert, und bei 28°C fühlt sich alles nach einem ziemlich perfektem Segeltag an. Während wir draußen auf dem Wasser die frische Brise feiern, meldet unser Temperaturfühler von der heimischen Terrasse unglaubliche 47°C 🥵☀️ – katastrophal, unerträglich und definitiv kein Ort, an dem man gerade freiwillig sein möchte. Wie gut, dass wir am Wasser sein können.

Doch so schön diese Sommerzeit auch ist – unter der glitzernden Wasseroberfläche steckt ein ernstes Problem. Der Ostsee geht es zurzeit sichtbar schlecht. Mit inzwischen 22°C wirkt sie für Badegäste zwar verführerisch warm, für das empfindliche Ökosystem ist diese Temperatur jedoch alles andere als harmlos. Was zunächst nach perfektem Badewasser klingt, wird auf dem Meer zu einem Warnsignal: große Blaualgen-Teppiche breiten sich aus, ziehen wie trübe, schmierige Schleier über die Wasseroberfläche und lassen die sonst so einladende Ostsee plötzlich krank und abgestanden wirken. Zugegeben… aus der Luft wirken die großflächigen Muster irgendwie fast künstlerisch filigran.

Streng genommen sind Blaualgen nicht einmal Algen, sondern sogenannte Cyanobakterien – uralte Mikroorganismen, von denen sich einige Arten bei Hitze, starker Sonneneinstrahlung und nährstoffreichem Wasser massenhaft vermehren können. Ihr Name bezieht sich auf die Blaufärbung, die man wahrnimmt, wenn sie in großen Mengen auftreten. Wobei ich finde, dass sie eher grünlich, schlammig und ziemlich unheilvoll aussehen. Aber mich fragt ja keiner.

Cyanobakterien besiedeln vermutlich seit mehr als 3,5 Milliarden Jahren die Erde und gehören damit zu den ältesten Lebensformen überhaupt. Insbesondere im Zuge der Klimaerwärmung bilden einige Arten schädliche Algenblüten aus und produzieren starke Toxine. Diese sind sowohl für Tiere als auch Menschen gefährlich. Es kann zu Hautreizungen, Entzündungen im Rachen oder auch zu Übelkeit, Durchfall und Fieber kommen. Daher wurden aktuell schon an vielen Stränden Badeverbote ausgesprochen.

Da wir ohnehin nicht zu den ganz großen Badefans gehören, passt es für uns gut, einfach für einige Tage nach Hause zu fahren, sobald die Temperaturen dort wieder etwas angenehmer und erträglicher werden.

Dort kümmern wir uns dann in Ruhe um unsere Terrasse und bringen alles wieder ein bisschen auf Vordermann. Kalli läßt den Kärcher vorsichtig über die etwas veralgten Bodenbretter kreiseln und siehe da: bald kommt unter der grün-bräunlichen Patina wieder sauberes Holz zum Vorschein. Hat sich echt gelohnt.

Und wir nutzen natürlich den Heimatbesuch, um unsere „Festland-Freunde“ wiederzusehen. Schließlich wollen die heimatlichen Kontakte ja auch gepflegt werden.

Aber bald zieht es uns wieder zurück an die Küste. Die letzten Wochen wollen genossen werden, denn der Termin zum finalen 2026er Auswassern rückt langsam, aber unaufhaltsam näher.

Bis dahin… 💁‍♀️💁‍♂️

Stay tuned und keep watching

Kommentare:

One Response

  1. Moin, aus Hornbæk (XC42)
    Du schreibst sehr gut und detailliert. Jetzt kann ich meinen eigenen Boiler warten, wenn ich nur noch dahin komme.

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